Wirtschaft : Euro: Die Gemeinschaftswährung erholt sich von der türkischen Finanzkrise

Einen Tag nach der Freigabe der türkischen Lira hat sich die erste Verunsicherung im Handel mit der europäischen Gemeinschaftswährung verflüchtigt. Händler warnten aber vor verfrühtem Optimismus. Die Finanzkrise sei noch nicht ausgestanden. Europäische Banken seien stärker involviert als amerikanische. Nachdem der Kurs des Euro am Donnerstag um ein Cent nachgegeben hatte, stabilisierte er sich am Freitag im Tagesverlauf um Kurse von 0,9040 US-Dollar.

Nach Einschätzung von Frankfurter Devisenhändlern profitierte die Währung in erster Linie von dem unerwartet starken Wachstum des französischen Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal 2000 und den moderaten französischen Teuerungsdaten. Wie das französische Statistikamt Insee am Vormittag mitteilte, wuchs die Wirtschaft des Landes um 0,9 Prozent und im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Analysten hatten mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent gerechnet. Die Verbraucherpreise gingen den Angaben zufolge im Januar um 0,5 Prozent zurück, wodurch sich die Jahresteuerung auf 1,4 von 1,7 Prozent verlangsamte. Die EZB legte den Referenzkurs des Euro am Mittag mit 0,9064 Dollar nach 0,9056 Dollar am Vortag fest. Damit kostete der Dollar nahezu unverändert 2,16 Mark. Im Verlauf stieg der Euro über 91 Cent.

Unterdessen nahmen am Freitag Vertreter des Internationalen Währungsfonds und der türkischen Regierung wieder Gespräche auf. Der IWF-Türkei-Chef Carlo Cottarelli traf Berichten zufolge in Ankara mit Finanzminister Sümer Oral zusammen. Staatsminister Tunca Toskay betonte, dass der Plan zur Senkung der Inflation neu festgelegt werden müsse. Nähere Angaben machte er nicht. Ursprünglich wollte die Regierung die Inflation bis Ende 2001 auf zehn bis zwölf Prozent senken. Die Türkei hatte am Donnerstag auf Grund einer Finanzkrise den Wechselkurs der Türkischen Lira freigegeben und damit den Weg für eine Abwertung der Lira freigemacht. Die Istanbuler Börse zog am Freitag erneut etwas an. Die Lira setzte ihre Talfahrt vom Vortag hingegen fort und gab um knapp neun Prozent nach, nachdem am Vortag ein Einbruch um 30 Prozent verzeichnet werden musste.

Analysten zufolge ist der Einfluss der türkischen Finanzkrise auf die Euro-Zone jedoch begrenzt. Deutsche Banken sind nach eigenen Angaben nicht mit großen Krediten in der Türkei engagiert und haben für die vorhandenen Risiken bereits Rücklagen gebildet. Das Gesamtvolumen des Engagements beläuft sich nach einem Bericht der Deutschen Bank auf zehn Milliarden Dollar.

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