Wirtschaft : Euro: Die Gemeinschaftswährung ist noch nicht über den Berg

Rainer Hank

Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat zwei Mittel der Intervention: Sie kann am Devisenmarkt durch Kauf oder Verkauf fremder Währungen eingreifen, oder sie kann am Geldmarkt intervenieren und die Leitzinsen verändern. Das erste sollte die Ausnahme sein, das zweite ist die Regel. So überraschend die Notenbank vor zwei Wochen - zusammen mit den Zentralbanken in Japan und den USA - direkt zugunsten des Euro interveniert hat, mindestens so überraschend kam für die Marktbeobachter am Donnerstag der Versuch, die Gemeinschaftswährung indirekt durch eine Zinserhöhung zu stützen. Holt die EZB mit weiteren 25 Basispunkten jetzt nach, was sie beim letzten Zinsschritt aus Halbherzigkeit nicht wagte? Will Präsident Wim Duisenberg mit der Zinspolitik den Euro retten, nachdem die Stützungskäufe wenig nutzten? Ist die Zinserhöhung gar der Tribut, den die Amerikaner verlangt haben für die Unterstützung der Intervention am Devisenmarkt?

Nichts davon wird Duisenberg als Erklärung gelten lassen. Denn offiziell hat das Augenmerk der Währungshüter in Frankfurt ausschließlich der Binnenstabilität des Euro zu gelten. Und Gefahren der Teuerung gibt es seit langem. Maßgeblich dafür ist bekanntlich der hohe Ölpreis. Aber eben auch der schwache Euro. Denn der teure Dollar verteuert auch die Importe - Inflation wird importiert. Zinserhöhungen sagen den Anlegern, dass sich ihr Geld im Euroraum jetzt besser rentiert. Als ein Instrument des Anreizes ist das allemal das bessere Mittel als direkte Interventionen, die sich gegen die Wetten des Kapitalmarkes behaupten müssen. Ob das den Euro freilich auf Dauer stabilisiert, darf bezweifelt werden. Nach kurzer Freude zeigte sich die Währung gestern nicht beeindruckt. Die Märkte haben das Abstimmungsergebnis der Dänen noch nicht vergessen. Zu viel Unsicherheit geht von den politisch heterogenen Ländern des Euroraums aus. Zu schleppend bleibt deren Reformtempo. So lange fühlen sich die Investoren immer noch besser zuhause bei der robusten Konjunktur der USA.

0 Kommentare

Neuester Kommentar