Wirtschaft : Euro: Die neue Währung treibt die Preise

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Die Euro-Bargeldeinführung sowie höhere Steuern und Lebensmittelpreise werden die Teuerung hier zu Lande nach Einschätzung von Bank-Volkswirten im Januar nach oben treiben. Auf Jahresbasis könnte die Teuerung rund drei Prozent erreichen. Gegenüber Dezember wäre das ein Anstieg von 1,8 Prozent. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup warnte die Gewerkschaften davor, als Reaktion auf die gestiegenen Preise deutlich höhere Löhne zu fordern. Ein zu starker Lohnanstieg wäre ein echtes Problem für die Konjunktur.

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Auch die Deutsche Bundesbank rechnet auf Grund "einer Reihe von Sonderfaktoren" mit einer höheren Teuerung im Januar. Von einem nennenswerten Anstieg in Folge der Euro-Bargeldeinführung könne aber keine Rede sein, stellte Bundesbank-Sprecher Wolfgang Mörke mit Blick auf einen entsprechenden Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) vom Dienstag klar. Die HAZ hatte den Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger mit den Worten zitiert, die Inflation schraube sich zurzeit in ungeahnte Höhen. Niemand könne eine Drei vor dem Komma ausschließen. Eine Zahl zur Teuerung im Januar habe Remsperger nicht genannt, betonte Mörke. Er räumte aber ein, dass Remsperger in der letzten - nicht öffentlichen - Sitzung des Konjunkturrates auf die Folgen von Steuererhöhungen und Sondereffekten wie höhere Lebensmittelpreise hingewiesen habe.

Bert Rürup, Mitglied des Sachverständigenrates, sagte dem Tagesspiegel, eine Teuerung von drei Prozent im Monatsvergleich sei ausgeschlossen, auf Jahresbasis aber vorübergehend denkbar. Rürup warnte die Gewerkschaften davor, in der anstehenden Tarifrunde auf den absehbaren Teuerungsschub Bezug zu nehmen. "Ein solcher Zweit-Runden-Effekt wäre ein echtes Problem für die Konjunkturentwicklung im Wahljahr und würde die Chance auf eine weitere Zinssenkung deutlich verringern", sagte Rürup dem Tagesspiegel. Grafik: Inflation in Deutschland Die Inflationsdaten für Januar wird das Statistische Bundesamt frühestens am 31. Januar vorlegen. Die Veröffentlichung verzögert sich um rund zehn Tage, weil die vorläufigen Daten, die üblicherweise in sechs Bundesländern erhoben werden, zurzeit auf Plausibilität überprüft werden. Bundesbank-Sprecher Mörke erinnerte daran, dass die Bundesbank mit dem Statistischen Bundesamt die Preisentwicklung in Folge der Euro-Bargeldeinführung genau unter die Lupe nehme. Dabei werden vor allem die Schwellenpreise im Handel kontrolliert. Nach Einschätzung der Bundesbank hat der vorübergehende Preisanstieg keine Auswirkung auf die Teuerung im Gesamtjahr. Nach wie vor sei mit einer Inflation von unter zwei Prozent in Deutschland für das laufende Jahr zu rechnen. Unter Frankfurter Bank-Volkswirten ist man bereits vorsichtiger geworden. So verweist die Commerzbank darauf, dass eine Teuerung von drei Prozent auf Jahresbasis erreicht werde, wenn die Preise im Januar gegenüber Dezember um nur 1,8 Prozent stiegen. Schätzungen des Kreditinstituts zufolge machen die administrativen Steuererhöhungen zu Jahresanfang, also Öko-, Tabak- und Versicherungssteuer, einen Anstieg von rund 0,5 Prozent aus. Hinzu komme 0,5 Prozent für die saisonbedingte Verteuerung von Lebensmitteln, insbesondere Gemüse. Würden die Preise in Folge der Euro-Bargeldeinführung um 0,8 Prozent gegenüber dem Dezember steigen, wäre die Drei vor dem Komma bei der Jahresteuerung bereits erreicht.

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