Wirtschaft : Euro: Die Notenbanken stützen die europäische Währung

Einen Tag vor dem Treffen der G-7-Finanzminister in Prag haben die Zentralbanken der wichtigsten Industrienationen dem Euro am Freitag mit einer abgestimmten Intervention zu einem spektakulären Kurssprung verholfen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, initiierte sie die konzertierte Aktion zu Gunsten der schwächelnden Gemeinschaftswährung, an der sich die Notenbanken der USA und Japans beteiligten. Auch die Bank of England griff nach eigenem Bekunden stützend in den Markt ein; die Schweizer Notenbank blieb außen vor. Der Euro, der am Morgen noch mit einem Kurs knapp unter 86 US-Cent in den Handel gestartet war, schnellte auf die Ankündigungen hin auf fast 90 Cent. Im Tagesverlauf konnte die europäische Währung dieses Kurshoch allerdings nicht halten. Analysten lobten den Schritt und das Timing der Notenbanken nahezu einhellig.

Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank EZB begründete die konzertierte Aktion am Nachmittag in Frankfurt am Main mit der gemeinsamen Sorge vor möglichen negativen Folgen der Euro-Schwäche auf die Weltkonjunktur. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Laurent Fabius, dessen Land derzeit die EU-Präsidentschaft inne hat, bekundete am Freitag seine "volle Unterstützung" für die Intervention.

Mit der Intervention nahmen die Zentralbanken einem der drängendsten Themen auf der Tagesordnung der G-7-Finanzminister die Spitze. Die Schwäche des Euro, der in den vergangenen elf Tagen nicht weniger als zehn neue Rekordtiefstände markiert hatte, sollte zusammen mit dem Höhenflug der Ölpreise im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Der Komplex drohte die übrigen Themenbereiche - IWF-Reform und Entschuldung der besonders armen Staaten - an den Rand zu drängen. Kurz vor Bekanntwerden der Intervention hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach einem Treffen mit Italiens Ministerpräsident Giuliano Amato in Berlin noch bekräftigt, beide Länder seien an "einem starken Euro interessiert". Angesichts der hohen Ölpreise plädierten Deutschland und Italien zudem für einen Dialog der Industrieländer mit der Organisation der Erdöl exportierenden Länder Opec.

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