Wirtschaft : Euro: Die Wette auf den Euro gilt

Henrik Mortsiefer

Der Euro steigt. Fünf Prozent hat er in der vergangenen Woche zugelegt, so viel wie lange nicht. Optimisten sprechen von einer Trendwende; die Vorsichtigen warnen indes vor Euphorie. Denn noch richten sich alle Blicke auf die US-Konjunktur: Landet sie nach zehn Wachstumsjahren weich, oder schlägt sie härter auf als es der Finanzmarkt verträgt? Bis jetzt deutet sich nur an, dass es zuletzt mit 2,4 Prozent Wachstum erstmals langsamer vorangegangen ist als in Europa. Das ist keine dramatische Abkühlung und es bestärkt die Anleger in der Auffassung, dass die US-Notenbank die Zinsen nicht weiter anheben muss. Der Euroraum könnte künftig der interessantere Investitionsstandort sein. Er könnte. Denn noch warten die Investoren. Zu viele Fragen sind unbeantwortet: Wie kräftig wird die Euro-Wirtschaft tatsächlich? Wie modern wird der institutionelle Rahmen sein, den sich Europa gibt? Wie viel Spielraum haben Investoren auf den Arbeitsmärkten und in der Steuerpolitik? Erst wenn die Antworten überzeugend ausfallen - der EU-Gipfel in Nizza könnte in der kommenden Woche dazu beitragen -, werden die Märkte reagieren. Nicht zuletzt lassen sie sich auch von der Psychologie leiten. Pannen, wie sie die EZB in diesem Jahr zu vertreten hatte, vertragen sich damit nicht. Der Euro steigt, aber es werden bis auf weiteres Wetten auf seine Zukunft angenommen.

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