Wirtschaft : Euro: Eichel erwartet nach Einführung der neuen Währung sinkende Preise

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Die Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Januar 2002 führt nicht zu einer schleichenden Preiserhöhung. Im Gegenteil: "Es gibt eher Preissenkungen. Das Euro-Bargeld hat einen inflationsbegrenzenden Impuls." Dieser Meinung ist zumindest Bundesfinanzminister Hans Eichel, der auf der "Euro 2002"-Konferenz der Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt um Vertrauen für die neue Währung warb. Der Staat verzichte sogar auf Steuereinnahmen in Höhe von 400 Millionen Mark, sagte Eichel vor rund 300 Experten aus Banken, Sparkassen und Logistikunternehmen.

Nach Ansicht des Finanzministers hat der Euro schon jetzt zu einem intensiven Wettbewerb im Handel geführt und damit die Preise gedrückt. Diese Entwicklung werde sich ab Anfang 2002 noch einmal steigern. Eichel erinnerte auch an den Effekt von Schwellenpreisen. "Rund 17 Prozent aller Preise in einem durchschnittlichen Supermarkt lauten auf 1,99 Mark. Umgerechnet in Euro sind das 1,02 Euro. Wollen wir wetten, das die Unternehmen nicht auf das psychologische Moment des Schwellenpreises von 99 Cent verzichten?"

Auch Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), erinnerte daran, dass der Euro schon längst da ist. Er komme nicht erst am 1. Januar 2002, er sei schon seit 1. Januar 1999 "unser" Geld. "Das wird manchmal vergessen. Wenn wir also etwas mit bar umlaufenden Banknoten bezahlen, zahlen wir tatsächlich bereits in Euro." Dieser Hinweis ist wichtig. Noch wichtiger ist, und das weiß keiner besser als Duisenberg, den 300 Millionen Europäern und den 80 Millionen Deutschen klarzumachen, dass am 1. Januar 2002 das Euro-Bargeld kommt und DM-Scheine und Münzen ihre Funktion als Zahlungsmittel verlieren.

Die Akzeptanz der Gemeinschaftswährung Euro wird nach Ansicht von Bundesbankpräsident Ernst Welteke vor allem in Deutschland noch von psychologischen Vorbehalten behindert. "Das mag auch an der den Deutschen nachgesagten Skepsis gegenüber Neuerungen liegen", sagte Welteke. Ein weiterer Grund sei, "dass die Deutschen ihrer D-Mark besonders nachtrauern".

Die Vorbereitungen auf den historisch einmaligen Währungsumtausch sind hierzulande relativ weit gediehen. Ab 1. September werden die Banken mit ersten Euro-Banknoten und Münzen beliefert, am 17. Dezember können die Bundesbürger das erste Mal das neue Geld in Form von sogenannten Starterkits im Wert von 20 Mark bei Banken und Sparkassen erstehen. Ab 1. Januar werden die Scheine dann über die Geldautomaten und über den Handel verbreitet. Die restlichen Mark können bis Ende Februar 2002 ausgegeben werden. Erst ab 1. März gilt nur noch der Euro.

Duisenberg wissen sehr genau um die immer noch große Euro-Skepsis der Bundesbürger. Umso wichtiger sei eine möglichst reibungslose Umstellung. "Eine gelungene Bargeldumstellung wirkt aufgrund der breiten öffentlichen Wirkung gleichsam wie ein Multiplikator und wird Vorbehalte zerstreuen", sagt der Bundesbank-Präsident. Dass das klappt, steht für den Finanzminister fest. "Wir werden kein Chaos erleben. Alle Beteiligten hatten Zeit, sich einzustellen, und alle Beteiligten haben diese Zeit genutzt", sagt Eichel. Es werde keine langen Schlangen vor den Geldautomaten geben.

Welteke und Duisenberg betonten in Frankfurt auch die große Bedeutung einer umfassenden Information der Öffentlichkeit. 80 Millionen Euro hat die EZB dafür eingeplant. Nach Ansicht des EZB-Präsidenten darf sie aber nicht zu früh beginnen. "Es wäre zu teuer und zu kostspielig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit über einen langen Zeitraum aufrechterhalten zu wollen". Anfang September will die EZB ihre Kampagne auf Touren bringen und das Tempo bis Dezember sukzessive in den elektronischen und in den Printmedien steigern.

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