Wirtschaft : Euro: Ein Stimmungswandel für den Euro

Carsten Brönstrup

Wer in knapp vier Wochen zum Beginn der Sommerferien nach Übersee reist, kann sich nicht nur auf schöne Tage, sondern auch auf einigermaßen günstige Preise freuen. Dafür sorgt der Höhenflug der europäischen Einheitswährung Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar: Bei 0,9118 US-Cent setzte die Europäische Zentralbank am Donnerstag den Wert des Euro fest. Seit einigen Wochen strebt der Euro beharrlich die Parität zum Dollar an, und Volkswirte sehen noch kein Ende dieses Trends.

Doch woher kommt der plötzliche Aufschwung des viel gescholtenen europäischen Geldes? "Die Stärke des Euro ist eine Schwäche des Dollar", dämpft Volker Nitsch, Währungsexperte bei der Bankgesellschaft Berlin, die Euphorie. "Es gibt einen Stimmungswandel an den Märkten. Anleger und Devisenhändler besinnen sich darauf, dass viele Wirtschaftsdaten in den USA nicht rosig sind." Da sind etwa die Börsen: Viele Unternehmen können nur dürftige Gewinne vorweisen. Das verschreckt Investoren, und sie stecken ihr Geld lieber in europäische Aktien und Anleihen. Hinzu kommt, dass die Aussichten dürftig sind: Der Aufschwung in Amerika kam nicht so rasch und so kräftig wie erhofft. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 5,8 Prozent im ersten Quartal schreiben Volkswirte allein Sondereffekten zu, eine echte Besserung ist nicht in Sicht. Und schließlich macht sich das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA nun im Wechselkurs bemerkbar: Das Land führte mehr Waren und Dienstleistungen ein, als es exportierte. Finanziert wurde dieses Defizit bislang durch ausländische Anleger, die ihr Geld nach Amerika schaufelten. Das tun sie nun nicht mehr, und der Dollar-Kurs bröckelt.

Der Gleichstand zwischen Greenback und Euro ist deshalb nahe, findet Norbert Braems vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. "In etwa einem Jahr ist der Gleichstand erreicht", erwartet er.

Doch was die Touristen freut, könnte die Wirtschaft ärgern - ein höherer Dollarkurs verteuert die Exporte. "Besonders die Branchen Auto, Maschinenbau und Chemie würde das treffen", sagt Braems. Wirklich problematisch ist das aber vorerst nicht. "Durch den niedrigen Eurokurs sind den Europäern zuletzt viele Gewinne einfach in den Schoß gefallen", sagt Volker Nitsch von der Bankgesellschaft. "Dieser Vorteil schwindet nun - zum Nachteil wird er aber nicht sofort." Probleme gebe es erst, wenn hohe Lohnabschlüsse und noch teureres Öl hinzu kämen. "Dann schwingt das Pendel wieder in Richtung USA."

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