Wirtschaft : Euro erstmals über 1,30 Dollar

Hoher Wechselkurs drückt Export und sorgt für geringeres Wachstum im dritten Quartal / US-Notenbank erhöht Leitzins

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Wechselkurs des Euro ist am Mittwoch auf ein Rekordhoch gestiegen. Vor allem Sorgen über das US-Handelsbilanzdefizit trieben die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,3006 Dollar. Auch die Erhöhung der Leitzinsen in den USA sorgte für keine Trendwende. Der starke Euro dürfte dafür verantwortlich sein, dass das Wachstum der deutschen Ausfuhr im September schwächer ausgefallen ist. Ökonomen befürchten, dass daher das Wirtschaftswachstum zwischen Juli und Ende September auf nur noch 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal abgenommen hat.

gestartet. Bereits seit Wochen verteuert sich der Euro im Vergleich zum Dollar – Ende August lag der Kurs noch bei 1,20 Dollar. Nach dem Rekordhoch am Mittwoch sank der Kurs wieder etwas auf 1,2871 Euro. Händler machten für die Kursausschläge Devisenmarkt-Spekulationen verantwortlich.

Als wichtigste Gründe für den starken Euro und den im Gegenzug schwachen Dollar gelten das Haushalts- und vor allem das Außenhandelsdefizit der USA. Im September lag es, wie am Mittwoch veröffentlicht, mit 51,6 Milliarden Dollar geringer als von Analysten erwartet, aber immer noch hoch. Die USA konsumieren also mehr als sie produzieren – damit es nicht zu Währungsturbulenzen kommt, ist das Land auf einen steten Zustrom von Anlagekapital angewiesen. Zuletzt hatten aber immer weniger Investoren Aktien oder Anleihen aus den USA erworben.

Allerdings macht die Erhöhung des maßgeblichen Leitzinses um einen viertel Prozentpunkt auf 2,0 Prozent die USA als Anlageziel wieder attraktiver. Die Notenbank Federal Reserve erhöhte den Satz am Mittwoch zum vierten Mal seit Juni. Ihren Beschluss begründeten die Währungshüter damit, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft trotz des teuren Öls als robust erwiesen und sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert habe. Den Schritt hatten die Märkte erwartet.

Die Währungsschwankungen bereiten der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Montag von einer „brutalen, höchst unwillkommenen Aufwertung“ gesprochen. Auch EZB-Chefökonom Otmar Issing sah am Mittwoch „gestiegene Risiken für die Wirtschaft“. Die Wechselkurse sollen der Bundesregierung zufolge Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G-20) Ende November in Berlin sein.

Der starke Euro ist einer der Gründe dafür, dass die deutschen Unternehmen im September weniger exportiert haben. Im September stieg der Wert der Ausfuhren um 5,8 Prozent auf 61,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im August hatte das Plus noch bei knapp 13 Prozent gelegen. Wegen der hohen Rohstoffpreise nahm auch der Wert der Importe zu – und zwar um 13,1 Prozent auf 49,8 Milliarden Euro.

In den vergangenen Monaten hatte der Export den einzigen Impuls für das Wirtschaftswachstum geliefert. Wegen der schwächeren Entwicklung befürchtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass das Bruttoinlandsprodukt zwischen Anfang Juli und Ende September nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen ist. Vor einem Monat war das Institut noch von einem Plus von 0,5 Prozent ausgegangen. Der Inlandskonsum habe zwar leicht zugelegt, doch das reiche nicht, um die nachlassende Exportdynamik auszugleichen. „Die tiefe Spaltung der Konjunktur in eine immer noch lebhafte Auslandskonjunktur und eine mehr oder minder stagnierende Binnenwirtschaft bleibt bestehen“, schreiben die Fachleute. Regierung und Ökonomen 1,5 bis zwei Prozent Wachstum. Experten bezweifeln nun, dass es 2005 ein ähnlich hohes Plus geben kann.

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