Wirtschaft : Euro: EU-Parlament will frühere Einführung des neuen Geldes

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Die Vorbereitungen von deutschen Unternehmen auf die Einführung des Euro-Bargeldes kommen offenbar kaum voran. Das Europaparlament drängt deshalb die Europäische Zentralbank (EZB), das Euro-Bargeld schon einige Zeit vor dem bisher vereinbarten Termin im Dezember 2001 zu verteilen. Bislang sträubte sich die EZB, die letztlich über den Termin entscheidet, jedoch hartnäckig gegen dieses Ansinnen.

Deutlich wird dieser Druck in einer Studie, die vom Wirtschafts- und Währungsausschuss der EU erarbeitet wurde und anlässlich einer Anhörung von EZB-Präsident Wim Duisenberg am gestrigen Montag vor dem Ausschuss in Brüssel veröffentlicht wurde. Begründet wird die Forderung nach einem früheren Umlauftermin mit der Notwendigkeit, Engpässe im Januar - wenn das Euro-Bargeld offiziell eingeführt wird - von vornherein zu vermeiden. Dies wird insbesondere für Geldausgabegeräte und in Wechselstuben befürchtet. Die EZB wehrt sich mit dem Argument, dass durch eine verfrühte Einführung die Gefahr von Fälschungen und Betrügereien wachse.

Händlern fehlt womöglich Wechselgeld

Die Abgeordneten sehen ohne frühzeitige Euro-Ausgabe ein anderes Problem: Sollten die Bürger nicht früh genug mit kleinen Euro-Scheinen versorgt werden, die sie überwiegend über die Geldautomaten erhalten, würden im Januar die Einzelhändler in die Bredouille kommen. Diese wären dann gezwungen, Wechselgeld in größerem Umfang als möglich vorrätig zu halten.

Nach den bisherigen Erkenntnissen werden übrigens nicht alle Geldautomaten in allen Euro-Ländern vom ersten Euro-Tag an, also dem 1. Januar 2001, ausschließlich nur noch mit den neuen Euros gefüllt werden. Schätzungen in der Parlamentsstudie gehen davon aus, dass die anfängliche Quote der Euro-Geldautomaten von acht Prozent in Portugal über 60 Prozent in Frankreich bis zu 100 Prozent etwa in den Niederlanden reicht. Die Niederlande haben in dem Ausschuss vorgeschlagen, am 1. Januar 2001 Banken zumindest für einige Stunden am Tag für Wechselgeschäfte geöffnet zu halten. Allerdings sollten dann auch nur Geschäftsleute bedient werden, Verbraucher hingegen nicht.

Gerade bei den kleinen und mittleren Handels- und Gewerbebetrieben wird ein erheblicher Rückstand bei der Vorbereitung auf den Euro festgestellt. Nur sehr langsam nehme beispielsweise die Zahl der Überweisungen zu, die in Euro denominiert seien, heißt es in Brüssel. Ende des vergangenen Jahres lag die Quote bei knapp sechs Prozent. Nach einer Umfrage, die von IBM in Auftrag gegeben und jetzt veröffentlicht wurde, wollen sich ohnehin rund ein Viertel aller Betriebe in Deutschland mit der totalen Umstellung der Betriebsprozesse auf den Euro bis Juli nächsten Jahres Zeit lassen. Nach einer anderen Untersuchung von NCR liegt die Quote der Spät-Umsteller sogar bei 60 Prozent.

Solche Prognosen decken sich mit Erkenntnissen des Umfrageinstitutes Forsa. Zwar glauben 96 Prozent der befragten Firmenchefs, dass sie die Euro-Umstellung rechtzeitig bis Januar bewerkstelligen könnten, doch glauben auch drei Viertel, dass es dabei zu Pannen kommen werde: beim Bargeldumlauf, der Preiskalkulation oder der Buchhaltung.

Wie weit Feststellungen beziehungsweise Prognosen über den Stand der Euro-Umstellungen der Betriebe auseinander gehen, zeigt ebenfalls Forsa: Danach haben sieben Monate vor dem Euro-Start 51 Prozent der kleinen und mittelständischen Firmen ihre Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen.

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