Wirtschaft : Euro: "Eurozone wächst bald so stark wie die USA"

Ulrike Fokken

Der Titel der Veranstaltung war bewusst weitschweifend gehalten. "Gemeinsame Visionen für Europa - Tatsachen und Möglichkeiten" hatten der deutsche Finanzminister Hans Eichel und sein französischer Kollege Laurent Fabius ihren ersten Auftritt bei der Euro-Werbetour in Tokio überschrieben. Aber so bescheiden hätten die beiden sich gar nicht geben müssen. "Die Erfolgsgeschichte des Euro hat sogar viele Skeptiker überzeugt", lobte Gastgeber Gyothen, Präsident des "Institute for International Monetary Affairs", am Montag.

Der deutsche Finanzminister mochte nicht wiedersprechen. Eichel sieht auch nach der Kurserholung des Euro weiteres Aufwertungspotenzial für die europäische Gemeinschaftswährung. "Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar erheblich an Wert gewinnen", sagte Eichel vor rund 300 Zuschauern. Das liege neben den "hervorragenden Wirtschaftsdaten in der Euro-Zone" auch daran, dass die Europäer das vergangene Jahr zu tiefgreifenden Reformen genutzt hätten - neben der Steuerreform auch die Strukturreformen und eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt garantiere zudem, dass kein Mitgliedsland in Zukunft in die lasche Haushaltspolitik der Vergangenheit zurückfallen werde, sagte Eichel. "Finanzpolitische Stabilität wird Europas Markenzeichen." Die Wachstumslücke zwischen den zwölf Euro-Länder und den USA könne sich bereits im kommenden Jahr schließen. Er und sein französischer Amtskollege Fabius betonten vor rund 300 Zuhörer am Montag erneut, dass sie mit einer weichen Landung der US-Konjunktur rechnen.

Bereits im Sommer hatten Eichel und Fabius verabredet, gemeinsam auf eine weltweite Werbetour für die europäische Gemeinschaftswährung zu gehen. Damals war der Euro im freien Fall, der schließlich bei einem Tiefstand von 0,82 US-Dollar endete. Das weltweite Vertrauen in die junge europäische Gemeinschaftswährung schien erschüttert. Inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt, der Euro kletterte bis zum Montag auf 0,94 Dollar - allein wegen der Imagepflege wäre die Tour also nicht mehr nötig gewesen. Doch Eichel und Fabius sind auch an guten Beziehungen zu Japan und vor allem an einer Erholung der japanischen Wirtschaft interessiert. Eichel nutzte die Fragen der Zuschauer daher auch, um vorsichtig auf die stockenden Reformen in Japan hinzuweisen - insbesondere auf die Probleme, die das Land durch die älter werdende Bevölkerung haben wird.

Die Zuhörer waren mehr an der Rolle der europäischen Wirtschaft interessiert. "Kann Europa der Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft sein?", fragte Eisuke Sakakibara, Mitte der neunziger Jahre Staatssekretär im japanischen Finanzministerium und als "Mister Yen" in die Finanzgeschichte eingegangen. Keine schwierige Frage für Laurent Fabius. Der Franzose hatte schon am Vortag durchblicken lassen, dass er schon innerhalb weniger Wochen mit einer Parität von Euro und US-Dollar rechnet.

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