Wirtschaft : Euro exklusiv für eine Stunde

HENRIK MORTSIEFER

BERLIN .Die Finnen drängen auf Tempo bei der Einführung des Euro.Wenn die Mitglieder der Europäischen Währungsunion am 1.Januar 1999 um null Uhr das neue Geld einführen, ist es in Finnland schon seit einer Stunde da.Wegen der Zeitverschiebung - in Finnland gilt die osteuropäische Zeit - können die Finnen eine ganz besondere Premiere feiern: Eine Stunde lang sind sie das einzige Euro-Land.

Den hauchdünnen Vorsprung haben sich die Skandinavier, die erst 1995 der Europäischen Union beitraten und als einzige Nordeuropäer den Euro einführen, redlich verdient, meint Jussi Mustonen, Direktor des finnischen Arbeitgeber- und Industrie-Verbandes.Bei der Vorbereitung auf den Euro seien finnische Firmen - gerade auch Mittelständler - Vorbild in Europa."70 bis 80 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen werden den Euro 1999 als Hauptabrechnungswährung einführen." Die Akzeptanz, die das neue Geld bei den Unternehmern genießt, mußte in der finnischen Bevölkerung hart erkämpft werden.Ähnlich wie die Deutschen tun sich viele Finnen beim Abschied von ihrer Landeswährung, der Finnmark, schwer.Inzwischen begrüßt aber die Mehrheit den Euro, "weil die Finnen die Vorteile der Währungsunion schon vor dem Start konkret erlebt haben", sagt Jussi Mustonen.

Die enge außenwirtschaftiche Anbindung an die Volkswirtschaften der EU folgte einer radikale Neuorientierung Anfang der neunziger Jahre.Als Finnland nach dem Zusammenbruch des Handels mit der ehemaligen Sowjetunion am Boden lag, schien das Land von der wirtschaftlichen Entwicklung Europas abgekoppelt.Der Anteil der Ausfuhren nach Rußland am finnischen Export brach sozusagen über Nacht von einem Viertel auf etwa 10 Prozent ein.In der Folge sank zwischen 1990 und 1994 das Bruttoinlandsprodukt um zehn Prozent.Heute läuft der finnische Konjunkturmotor vergleichsweise rund.Mit Bravour erfüllte das Land die Euro-Konvergenzkriterien.Nur die Arbeitslosigkeit ist mit zuletzt 10 Prozent immer noch hoch.Aktuellen Umfragen zufolge sind die Erwartungen der Unternehmen für das kommende Jahr so pessimistisch wie zuletzt 1991.

Daß die EZB künftig den finnischen Nordrand des Euroraums nicht übersieht, dafür sorgt Sirkka Hämäläinen.Die ehemalige Chefin der finnischen Notenbank ist seit 1.Juni 1998 Direktoriumsmitglied der Euro-Zentralbank.Die "eiserne Lady der Finnmark" hat mit unpopulären Maßnahmen und einer strikt auf Stabilität setzenden Geldpolitik maßgeblich daran mitgewirkt, die Finnen aus der Wirtschaftskrise Anfang der 90er zu befreien.Hämäläinen werde die letzte Euro-Skepsis der Finnen beseitigen.

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