Euro fällt auf 1,20 Dollar : Äußerungen von Mario Draghi drücken den Kurs

Die Zinsen im Euroland bleiben niedrig. Weil EZB-Chef Draghi die Geldpolitik noch weiter lockern will, verliert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar weiter an Wert. Dabei gibt es Vor- und Nachteile.

Seit dem Sommer kennt der Kurs des Euro nur eine Richtung: nach unten. Fast vergessen scheinen die Zeiten, als die europäische Gemeinschaftswährung an der Marke von 1,40 Dollar kratzte. Das war erst im Mai vergangenen Jahres. Nun, knapp acht Monate später, liegt der Euro-Kurs gerade noch über der Marke von 1,20 Dollar – ein Minus von etwa 14 Prozent und der tiefste Stand seit viereinhalb Jahren. Aber damit nicht genug: Manche Experten rechnen in den kommenden Monaten gar mit einem noch niedrigeren Kurs. An der Entschlossenheit von Europas obersten Währungshütern im Kampf gegen die niedrige Inflation gibt es nach Ansicht von Fachleuten kaum noch Zweifel.

Eine der stärksten Triebfedern für die Talfahrt des Euro ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Jüngste Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi haben bei Experten die letzten Zweifel zerstreut, dass die Notenbank schon bald mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen beginnen wird. „Die Zeichen verdichten sich, dass die EZB schon im Januar beschließen wird, im großen Stil Staatsanleihen zu kaufen,“ sagte am Freitag Ökonom Ralph Solveen von der Commerzbank.

Zu niedrige Inflation im Währungsraum

Die größte Sorge der europäischen Währungshüter und Hauptgrund für das Öffnen der Geldschleusen ist die zu niedrige Inflation im Währungsraum. Sie dürfte auch in den kommenden Jahren unter dem anvisierten Ziel der EZB liegen, die stabile Preise bei einer Inflationsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent als gewährleistet ansieht.

Vor allem der massive Einbruch der Ölpreise spielt den Befürwortern einer expansiven Geldpolitik in der EZB, den sogenannten Tauben, in die Hände. Seit dem Sommer sind die Ölpreise um etwa die Hälfte eingebrochen. Die Folge: Zur Jahreswende wird erstmals seit 2009 wieder mit sinkenden Verbraucherpreisen in der Euro-Zone gerechnet. „Die Tauben im EZB-Rat werden die Preisdaten als Argument für weitere expansive Maßnahmen anführen“, sagte Experte Solveen.

In einem Interview des „Handelsblatts“ hat EZB-Chef Draghi noch einmal die Bereitschaft der Währungshüter zum Handeln bekräftigt: „Wenn die Inflation lange zu niedrig bleibt, kann es geschehen, dass die Leute auf weiter sinkende Preise setzen und ihre Ausgaben einfach verschieben“, warnte Draghi. „Wir müssen gegen dieses Risiko angehen.“

Geldpolitik in den USA läuft in völlig andere Richtung

Während die Währungshüter in der Euro-Zone bereitstehen, die Geldschleusen weiter zu öffnen, läuft die Geldpolitik in den USA in eine völlig andere Richtung. Nachdem die US-Notenbank im Herbst ihre Anleihekäufe beendet hatte, wird Mitte des Jahres mit der ersten Zinserhöhung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise gerechnet. Dagegen werden Sparer in der Euro-Zone noch lange mit Minizinsen leben müssen. „Die Zinsen sind seit langem sehr, sehr niedrig – und das wird wahrscheinlich noch eine Zeit so bleiben“, sagte EZB-Chef Draghi.

Neben der Geldpolitik sorgt aber auch die unterschiedliche konjunkturelle Entwicklung in den USA und der Euro-Zone für einen stärkeren Dollar und einen schwächeren Euro. Während die US-Wirtschaft auf Hochtouren läuft und sich die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt seit vielen Monaten stark verbessert, hinkt der Euro-Raum der Entwicklung hinterher. (dpa)

2 Kommentare

Neuester Kommentar