Wirtschaft : Euro: Geld umsonst

Christian Domnitz

Die Einführung der Euro-Münzen und Scheine zu Beginn des kommenden Jahres bringt neuen Streit. Während die Banken den Privatleuten einen kostenlosen Umtausch alter D-Mark-Noten und Münzen versprechen, müssen Unternehmen mit größeren Barbeständen dafür wohl Gebühren zahlen. Kostenlos könne nur getauscht werden, solange das Bargeld nicht "säckeweise" zu den Banken gebracht werde, sagte Christian Achilles, der Direktor des Sparkassen- und Giroverbands. Auf ein genaues Limit für den kostenfreien Umtausch konnten sich die Banken am Montag in Frankfurt am Main noch nicht einigen. 100 000 bis 140 000 Mark je Filiale wird sie die Umstellung kosten. Sie forderten deshalb finanzielle Hilfen von der Politik, zum Beispiel für Transportversicherungen. Das hatte die Regierung schon abgelehnt.

Verluste drohen Kunden der Banken und Sparkassen, die größere Geldmengen umtauschen müssen. Besonders werde es den Einzelhandel betreffen, befürchtet Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck. Im Januar und Februar 2001 müsse der Handel D-Mark entgegennehmen, das Wechselgeld aber in Euro auszahlen. Altes Bargeld werde zu den Banken gebracht, neues müsse geholt werden. Das bedeute zusätzliche Lasten. "Die Banken lassen sich für Dienstleistungen bezahlen, die wir niemandem in Rechung stellen können", sagte Schmuck dem Tagesspiegel. Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle warf den Banken vor, sie schröpften den Mittelstand. Er sagte dem Kölner "Express", die Gebührenfantasie kenne offenbar keine Grenzen. Brüderle wandte sich gegen Pläne, eine Umtauschgebühr bei höheren Euro-Bargeldbeträgen und höhere Gebühren für den Einkauf per EC-Karte zu verlangen.

Auch von der Automatenwirtschaft kam Kritik an der Euro-Umstellung. Ihr Verbandschef Paul Gauselmann erwartet finanzielle Belastungen in Milliardenhöhe. Allein die Umrüstung bereits aufgestellter Spiel-, Zigaretten- oder Parkautomaten werde werde rund 1,1 Milliarden Mark kosten. Hinzu kämen Umsatzeinbußen zum Jahresbeginn 2002, weil nicht alle Automaten pünktlich auf die neue Währung umgestellt werden können. Allerdings bringe die Euro-Einführung der in den vergangenen Jahren gebeutelten Branche möglicherweise einen Wachstumsschub, sagte er. Denn weil ein Drittel der rund 2,4 Millionen deutschen Automaten wegen ihres Alters nicht nachgerüstet werden können, würden mehr neue Geräte bestellt, hofft Gauselmann. Wachstumsimpulse könne die Branche dringend gebrauchen, denn seit Jahren stagnierten die Umsätze.

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