Wirtschaft : Euro-Geldmenge wächst nur verhalten Juni-Plus von fünf Prozent

FRANKFURT (MAIN) (rtr). Die Geldmenge in der Euro-Zone ist im Juni verhalten gewachsen und hat damit den Druck zu einer strikteren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Expertenmeinung nicht erhöht. In der Abgrenzung M3, die vor allem Bargeld und kurzfristig fällige Einlagen umfaßt, sei die Geldmenge mit einer Jahresrate von fünf Prozent gewachsen verglichen mit 5,2 Prozent im Mai, teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt (Main) mit. Im gleitenden Durchschnitt über die drei Monate von April bis Juni sei M3 mit einer Jahresrate von 5,1 Prozent gewachsen und damit gleich schnell wie von März bis Mai. Das viel beachtete Jahreswachstum der Kreditnachfrage sei auf 7,7 (7,9) Prozent gesunken.Geldmengen-Experten bei Banken hatten im Durchschnitt für Juni ein Wachstum von M3 um 5,3 Prozent vorausgesagt. Auf der Geldnachfrage-Seite waren sie dabei vor allem von einem deutlichen Wachstum der Kreditnachfrage ausgegangen. Zwar sank das Wachstum der gesamten Kreditnachfrage, allerdings beschleunigte sich nach EZB-Angaben das Wachstum der Kreditvergabe an den privaten Sektor im Juni auf 10,9 (10,5) Prozent. "Ich glaube, mit den heutigen Zahlen sind die Befürchtungen, die EZB könnte zu einem variablen Zinstender übergehen, vom Tisch", sagte Gerhard Grebe von der Bank Julius Bär in Frankfurt. Erst ab Herbst sei möglicherweise mit einer Verknappung des Geldangebots durch höhere Leitzinsen der EZB zu rechnen. "Die private Kreditnachfrage hat sich beschleunigt, und das zeigt, daß der konjunkturelle Aufschwung kommt", sagte Grebe.EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte Mitte Juli erklärt, die EZB erwäge, bei ihren Hauptrefinanzierungsgeschäften von einem Mengentender mit von der EZB vorgegebenem Zinssatz zu einem Zinstender zu wechseln, bei dem die Gebote der Banken den Zinssatz bestimmen. Durch einen Zinstender würden sich die Sätze, zu denen sich die Banken bei der EZB refinanzieren können, nach Ansicht von Analysten tendenziell erhöhen. Außerdem hatte Duisenberg auf die Kreditnachfrage als wichtigen Indikator für die künftige Zinspolitik der EZB verwiesen. Als Richtgröße hat sich die EZB selbst einen Zielwert von 4,5 Prozent für das M3-Wachstum gesetzt.

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