Wirtschaft : Euro: Gemeinschaftswährung profitiert von schwacher US-Konjunktur

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Der Euro hat im Handel am frühen Mittwochnachmittag angesichts pessimistischer US-Konjunkturprognosen über 88 Cent notiert und zwischenzeitlich mit 0,8831 Dollar seinen höchsten Stand zum Dollar seit zweieinhalb Monaten erreicht. Auch gegenüber dem Yen legte der Euro weiter zu.

Der US-Einkaufsmanagerindex, der Frühindikator für das verarbeitende Gewerbe in den USA, fiel im Juli auf 43,6 Punkte nach 44,7 Punkten im Juni. Dies entsprach nicht den Erwartungen der meisten Volkswirte, die mit einem Durchschnitt von 44,5 Punkten gerechnet hatten und war der zwölfte Rückgang in Folge. Jeder Indexstand unter 50 Punkten signalisiert, dass sich die Industrie weiter abschwächt. Schlechter als erwartet fielen in den USA außerdem die Bauausgaben im Juni aus. Sie gingen gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent zurück. Bankvolkswirte hatten demgegenüber mit einem leichten Plus gerechnet.

Es ist aber nicht nur der Abschwung, der dem Dollar schadet. Belastet wird der Greenback auch von politischen Diskussionen in den USA um die künftige Währungspolitik. Das Finanzministerium und die US-Regierung seien sich offenbar nicht einig, ob ein starker Dollar weiter wünschenswert sei, sagte eine Händlerin. Dies sei ungewöhnlich für die US-Politik und schwäche das Vertrauen der Anleger in die Währung. Der Trend am Devisenmarkt könnte noch eine Zeit lang anhalten, zumal die Europäische Zentralbank (EZB) nach überwiegender Meinung von Bankvolkswirten bei ihren telefonischen Beratungen an diesem Donnerstag das Zinsniveau nicht senken wird. "Die EZB geht sicher mit ruhiger Hand in die Sommerpause", meinte DG Bank-Chefvolkswirt Michael Heise. Der Preisauftrieb in Euroland sei mit gut drei Prozent aktuell noch zu hoch. Die Toleranzschwelle der Währungshüter liegt bei zwei Prozent. Auch das Wachstum der Geldmenge stehe einer sofortigen Zinssenkung entgegen, sagte Heise. Die Experten rechnen frühestens nach der Sommerpause Ende August mit einer Leitzinssenkung durch die EZB. Die rückläufigen Inflationsraten in den zwölf Euro-Ländern schafften den nötigen Spielraum dafür.

Anders als in USA entsprachen die neuesten Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum - obschon nicht gerade ermutigend - wenigstens den Markterwartungen. So ging der dem NAPM-Index vergleichbare Reuters-Einkaufsmanagerindex geringfügig zurück, und zwar den Analysten-Erwartungen entsprechend von 47,9 auf 47,3 Punkte. Das Volumen der Auftragseingänge nahm im Juli zum vierten Mal in Folge ab. Schwach präsentierten sich zudem die Einzelhandelsumsätze im Euro-Raum: Sie stiegen im Mai um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit weniger stark als erwartet.

In das trübe Konjunkturbild passen die Ergebnisse der vorab bekannt gewordenen Sommerumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die heute vorgestellt wird. Demnach werteten 21 Prozent der über 15 000 befragten Unternehmen die Geschäftslage als schlecht. Nur noch 27 Prozent nenne sie "gut". Die trüben Konjunkturaussichten schlügen sich jetzt auch in den Investitions- und Beschäftigungsplanungen der Unternehmen nieder. 23 Prozent der befragten Betriebe wollten Personal abbauen, während nur noch 16 Prozent Neueinstellungen planten. Als wesentliche Konjunkturhemmnisse nannten die Firmen die Inflation, die Euro-Schwäche sowie die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Das "Vertrauen der Unternehmen in die wirtschaftspolitische Reformfähigkeit" der Regierung Schröder sei "rückläufig". Kleine und mittlere Unternehmen seien enttäuscht über die Steuerreform.

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