Wirtschaft : Euro: Gerhard Schröder glaubt an die Stärke der neuen Währung

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angesichts des jüngsten Euro-Sturzes auf die Wirtschaftskraft des gemeinsamen Währungsraumes verwiesen. In einem Interview mit der "Businessweek" sagte der Bundeskanzler, die wirtschaftliche Kraft, die hinter der Gemeinschaftswährung stehe, sei groß. Es gebe daher keinen Grund, an der Stabilität des Euros zu zweifeln. Am Freitagnachmittag wurde der Euro mit 0,8463/68 Dollar gehandelt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8478 (0,8480) Dollar ermittelt hatte. Der Dollar kostete damit 2,3069 (2,3064) Mark. Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten für den Mai schwankte der Euro zeitweise um das am Vortag erreichte Sechs-Monats-Tief von rund 0,844 Dollar, nachdem er zuvor nach Angaben von Finanzexperten in einer technischen Gegenreaktion zu den Verlusten des Vortages leicht zugelegt hatte.

Der Präsident des HWWA Instituts für Wirtschaftsforschung in Hamburg, Thomas Straubhaar, wies darauf hin, dass ein schwacher Euro tendenziell die Konjunktur im Euro-Raum eher stützen dürfte. Straubhaar sagte weiter, die Schwäche des Euros sei vor allem eine Schwäche der Politik. Offenbar trauten die Märkte Europa nicht so recht zu, von alleine zu gesunden und Reformen anzuschieben. Das wäre aber dringend notwendig. Konjunkturdaten aus der Euro-Zone, die schlechter als von Analysten erwartet ausfielen, wurden nach Angaben von Händlern am Freitag im Devisenhandel weitgehend ignoriert. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index (EMI) für die Euro-Zone fiel zum zweiten Mal in Folge und ging auf 48,3 (April 49,2) Punkte zurück. Mit einem Wert unter 50 Punkten weist der Index auf schwächere Geschäfte hin. Der französische Verbrauchervertrauensindex fiel im Mai erstmals seit sechs Monaten in negatives Terrain und wies einen Stand von minus sieben Zählern nach null Punkten im April aus. Auch die Einzelhandelsumsätze in der Euro-Zone im März, die mit einem Anstieg um 1,6 Prozent im Jahresvergleich ebenfalls schwächer als erwartet ausfielen, bewegten den Kurs des Euro nicht wesentlich.

Ein Devisenhändler in Frankfurt sagte, eine mögliche Intervention zu Gunsten des Euro würde der EZB-Zinssenkung vom 10. Mai widersprechen. "Mit der Zinssenkung hat die EZB die Liquidität verbilligt, bei einer Intervention würde die EZB dann wieder Liquidität vom Markt nehmen", sagte der Händler. So habe noch nie eine Zentralbank der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) gehandelt.

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