Wirtschaft : Euro: Holger Schmieding im Interview

Noch bis Donnerstag waren sich die Chefvolkswirte

Holger Schmieding ist Chefvolkswirt von Merrill Lynch in London.

Noch bis Donnerstag waren sich die Chefvolkswirte der Banken einig: Interventionen bringen nichts. Hat Sie das Eingreifen der Notenbanken überrascht?

Die Intervention hat auch mich überrascht, zumindest der Zeitpunkt. Aber das ist gerade die Stärke der Zentralbanken, die Überraschung der Marktteilnehmer.

Befürworten Sie denn nun die Intervention?

Die Intervention war gut gemacht. Denn sie kam noch vor dem G7-Gipfel, und die Zentralbanken sind gemeinsam vorgegangen.

Wird die Intervention denn erfolgreich sein? Kann sie den Trend kippen?

Eine Intervention kann den Trend nicht kippen, sondern höchstens eine bestehende Tendenz verstärken. Eine Interventionen der Notenbanken kann einen grundsätzlichen Wandel in der Wirtschafts- und Geldpolitik ankündigen. Dies hoffe ich im vorliegenden Fall nicht. Ich hoffe, die Europäische Zentralbank wird nicht agressiv an der Zinsschraube drehen, schon im Interesse der Konjunktur in Euroland. Eine Intervention kann aber auch zu einem Zeitpunkt kommen, an dem ohnehin einiges dafür spricht, dass sich der Trend ändert, dass also im konkreten Fall der Eurokurs wieder steigt. Ob dies der Fall ist, können wir erst zuverlässig beurteilen, wenn wir die Novemberzahlen aus den USA vorliegen haben.

Heißt dies, dass die Intervention auch verpuffen könnte?

Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Euro nun sofort dauerhaft erholt. Es ist durchaus möglich, dass wir noch weitere Interventionen brauchen?

Würden Sie den Notenbanken denn dazu raten?

Wenn schon, denn schon. Nachdem die Notenbanken schon angefangen haben, sollten sie nicht sofort wieder aufgeben. Ich würde dazu raten, erneut zu intervenieren, wenn der Euro nochmals massiv nach unten geht.

Besteht nicht die Gefahr, dass diese Waffe der Notenbanken bei wiederholtem Gebrauch stumpf wird, oder ihnen die Mittel ausgehen?

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Besonders, da die Notenbanken in einer konzertierten Aktion vorgegangen sind.

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