Wirtschaft : Euro im freien Fall: Finanzminister wollen Sturzflug der Gemeinschaftswährung bremsen

ufo/mue

Der Euro kommt nach einem Sturzflug nicht aus seinem Tief heraus. Am Donnerstag schwankte die Gemeinschaftswährung um die 87 Cent. Der Dollar kostet damit rund 2,25 Mark. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8676 Dollar fest. Gegen Abend erholte sich der Euro etwas auf 0,8717. Bundesfinanzminister Hans Eichel erklärte, er sei an einem starken Euro interessiert.

Die Opposition übte scharfe Kritik an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). "Unbedacht und verantwortungslos", nannte Gerda Hasselfeldt, Finanzexpertin der Unionsfraktion, die Äußerungen Schröders über den Euro. CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sagte, Schröder habe einmal mehr jegliches Fingerspitzengefühl in europapolitischen Fragen vermissen lassen. Der FDP-Wirtschaftspolitiker Rainer Brüderle bezeichnete Schröder als "leichtfertig" warf ihm "Milchmädchenökonomie" vor. Nach Äußerungen Schröders Anfang der Woche, die Euro-Schwäche sei nicht Besorgnis erregend, war an den Märkten der Eindruck entstanden, dass das Interesse an einem starken Euro in der Bundesrepublik eher gering sei. Die Gemeinschaftswährung war daraufhin abgestürzt. Schröder riet am Donnerstag am Rande der UN-Vollversammlung zu Gelassenheit. Das gute Wirtschaftswachstum von drei Prozent werde sich über kurz oder lang auf die Wechselkurse auswirken. "Eine bessere Wirtschaftspolitik kann man gar nicht machen, jedenfalls kaum", sagte Schröder über die deutsche Politik.

Laut Bundesfinanzministerium unterstrichen Eichel und sein französischer Kollege Laurent Fabius in einem Telefongespräch den gemeinsamen Wunsch nach einem starken Euro. Sie seien sich darin einig gewesen, dass in der europäischen Währung "einiges an Aufwertungspotenzial" liege, betonte eine Sprecherin. Beide seien der Auffassung, "dass der Euro derzeit unterbewertet" sei. Eichel, Fabius und die übrigen Wirtschafts- und Finanzminister der EU kommen von diesem Freitag an zu einem informellen Treffen in Versailles zusammen.

"Interventionen der Notenbank lohnen sich jetzt nicht mehr", sagte der CDU-Finanzpolitiker Gunnar Uldall dem Tagesspiegel. Notwendig seien Reformen des Arbeits- und Tarifrechts. Dann könne die hohe Arbeitslosigkeit gesenkt und ein langfristiges Wirtschaftswachstum gesichert werden. Wenn Schröder nur auf den Export setze, baue er auf Sand.

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