Wirtschaft : Euro im freien Fall: Teure Urlaubsreisen und Hifi-Anlagen - die Euro-Schwäche ärgert die Verbraucher

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Die Bevölkerung bekommt die Folgen der anhaltenden Euro-Schwäche mittlerweile zu spüren. Seit seinem Start hat der Euro gegenüber dem Dollar ein Viertel an Wert verloren. Für einen Dollar muss inzwischen über 2,25 Mark bezahlt werden. Die EZB legte den Referenzkurs am Donnerstag mit 0,8676 Dollar fest. Viele Urlaubsreisen werden dadurch teurer. Aber auch für Benzin oder Heizöl müssen die Bürger inzwischen tiefer in die Tasche greifen.

Ob Autos aus Japan oder den USA, ob amerikanischer Whisky oder japanische Hifi-Geräte - der schwache Euro verteuert viele Importwaren unmittelbar. Auch Reisen in die USA, nach Japan und Großbritannien sind teurer geworden. Die Touristik-Branche rechnet für die nächsten Monate mit einem kräftigen Dämpfer durch die Lage an den Devisenmärkten. Kommt hinzu, dass die Reiseveranstalter teurer einkaufen müssen, was den Preisdruck noch verschärft. Dertour, Veranstalter innerhalb der Rewe-Reisegruppe, ist nur ein Beispiel dafür. Teurer werden auch die Ferienflieger, die angesichts der steigenden Kerosinpreise bereits teilweise Preisaufschläge für die bevorstehende Wintersaison eingeplant haben. Bei Aero Lloyd zum Beispiel wird mit Preissteigerungen von durchschnittlich vier Prozent kalkuliert.

Groß ist der Ärger aber vor allem an den Zapfsäulen. Und auch die Preislisten der Heizöllieferanten geben in diesen Tagen keinen Anlass zur Freude. Die höheren Preise für Erdölprodukte sind nicht nur Folge einer bislang restriktiven Förderpolitik der Opec oder höherer Steuern. Sie sind auch auf den Euro zurückzuführen. Denn der internationale Ölhandel wird auf US-Dollar-Basis abgerechnet. Die Energieimporte werden entsprechend teurer, was im Übrigen nicht nur die Privathaushalte direkt zu spüren bekommen, sondern auch die Firmen, die - Beispiel Chemieindustrie - auf entsprechende Vorprodukte der Erdölindustrie angewiesen sind.

Das bedeutet, dass eine zweite Welle der Verteuerung programmiert ist. Denn die Industrie und der Handel werden ihre höhere Kosten wiederum an die Verbraucher weitergeben. Grundsätzlich schlagen sich höhere Importpreise erst mit zeitlicher Verzögerung spürbar im Verbraucherpreisindex nieder. Jens Kramer, Konjunkturexperte bei der Norddeutschen Landesbank hat die langfristigen Auswirkungen auf die Inflationsrate berechnet: "Kurzfristig erhöht ein um ein Prozent stärkerer Anstieg der Importpreise die Inflationsrate auf der Verbraucherstufe um lediglich etwa 0,1 Prozent," sagt Kramer. Setze sich diese Entwicklung jedoch über den Zeitraum von einem Jahr fort, so mache der Effekt für die Lebenshaltungskosten rund einen Drittel Prozentpunkt aus.

Viele Volkswirte warnen bereits davor, dass die Nachhaltigkeit der Währungsschwäche eine gefährliche Eigendynamik entfalten kann. Obwohl die Anfälligkeit des Euroraums gegenüber außenwirtschaftlichen Verzerrungen, wie Wechselkursschwankungen, mit rund 40 Prozent in etwa nur halb so groß ist wie sie in der deutschen Volkswirtschaft war, kann sich bei anhaltender Währungsschwäche früher oder später ein Kaufkraftverlust auf breiter Front einstellen. Auch Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft ist skeptisch. Denn höhere Inflationsraten zwingen die Währungshüter zu höheren Leitzinsen. Das aber könnte die Konjunktur bremsen. Teureres Baugeld oder Autokredite dienen dem Aufschwung jedenfalls nicht.

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