Wirtschaft : Euro: Interview: "Die Stützungskäufe kommen zu früh"

Herr Neumann[sind die Interventionen der Europ&au]

Manfred Neumann leitet das Institut für Internationale Wirtschaftspolitik an der Universität Bonn.



Herr Neumann, sind die Interventionen der Europäischen Zentalbank (EZB) richtig oder falsch?

Es wäre besser gewesen, die Währungshüter hätten noch etwas zugewartet, bis eine klare Markttendenz sichtbar geworden wäre.

Das heißt, die Trendwende beim Euro lässt noch auf sich warten?

Genau. Es zeichnet sich zwar ab, dass das Wachstum in den USA und der Zufluss langfristigen Kapitals abnehmen werden. Das wird den Dollar schwächen. Aber auch in Euroland beginnt die Konjunktur zu lahmen. Ob Euro-Anlagen international attraktiver werden, ist daher offen. Ende des Jahres werden wir schlauer sein. Bis dahin hätten sich die Währungshüter mit ihren Dollarverkäufen Zeit lassen können.

Was bringt die Intervention?

Nicht viel. Es wäre ein Wunder, wenn der Euro über 90 Cent klettert. Vor allem hat sich die EZB jetzt unter Zugzwang gesetzt. Wer einmal interveniert, kann nicht sofort wieder damit aufhören.

Warum nicht, die nötigen Reserven hat die EZB doch?

Weil sonst der Eindruck ensteht, es wird Roulette gespielt. Aber es bedarf einer Strategie und dafür stehen ausreichend Dollarreserven zur Verfügung. Doch schon bei der ersten Intervention im September hat die Puste nicht gereicht. Der Markt drängte in eine andere Richtung. Und gegen den Markt zu intervenieren, hat keine Chance. Einen erneuten Rückschlag andererseits kann sich die Europäische Zentralbank nicht wirklich leisten.

Halten Sie Interventionen für ein geeignetes Mittel, um den Euro zu stärken?

Grundsätzlich lehne ich jede Politisierung der Wechselkurse ab. Der Euro neigt ja nicht grundlos zur Schwäche. Den Märkten fehlt noch das Vertrauen in eine verlässliche Reformpolitik im Euroraum; es fehlen überzeugende Erfolge.

Und trotzdem zeigen Sie Verständnis für das Vorgehen der Notenbank?

Von Applaus kann keine Rede sein. Ich halte es aber für vertretbar, massiv mit Dollarverkäufen zu intervenieren, wenn die begründete Aussicht besteht, einem Stimmungsumschwung am Dollarmarkt nachhaltig Auftrieb zu geben. Tatsächlich gibt es erste Anzeichen für eine sich anbahnende Stimmungsänderung. Insofern ist die Aktion der Währungshüter nicht völlig chancenlos. Wenn die Notenbanker jedoch ihr Pulver noch etwas länger trocken gehalten hätten, wäre ihnen der ersehnte Erfolg sicherer gewesen.

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