Wirtschaft : Euro: Irland setzt sich wieder ab

Martin Alioth

Das irische Pfund, Punt genannt, war bis 1979 identisch mit dem britischen Pfund Sterling. Die Republik Irland verfügte zwar über eigene Banknoten und Münzen, aber es herrschte Parität. Dann vollführte Irland den vielleicht kühnsten Sprung seiner Geschichte: 1979 schloss sich das Land dem ersten Europäischen Währungssystem an, obwohl das Königreich abseits blieb und noch mehr als die Hälfte der irischen Exporte zur Nachbarin flossen. Die Abkoppelung des Wechselkurses bedeutete ein phänomenales Risiko. Aber die irische Regierung wollte sich enger an die innovativeren, wachsenden Staaten auf dem Kontinent binden. Die Euro-Teilnahme war deshalb folgerichtig.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Doch der Übergang war spektakulär, denn Irlands Konjunktur schert seit Jahren aus dem EU-Verbund aus. Mit Wachstumsraten um die zehn Prozent in den letzten fünf Jahren kam der tiefe Euro-Zinssatz höchst ungelegen. In den Monaten zuvor senkte die irische Zentralbank die Leitzinsen drastisch. Eine Explosion der Häuserpreise folgte. Der Wertverlust des Euro hat außerdem die irischen Exporte in die USA überproportional stimuliert. Jetzt wird der Absturz umso jäher. Irland könnte ein Musterbeispiel dafür werden, wie ungeeignet eine gesamteuropäische Geldpolitik für kleine Mitglieder langfristig sein kann.

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