Euro-Krise : Griechenland zittert um sein Geld

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag eine geplante Reise in die USA ab. Die Regierung macht sich offenbar große Sorgen um die nächste Tranche der Finanzhilfe.

Athen/Breslau - Die EU-Finanzminister bemühen sich, Zuversicht zu demonstrieren. Trotzdem reißen die Hiobsbotschaften im europäischen Schuldendrama nicht ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte am Samstag im polnischen Breslau, er gehe davon aus, dass die neuen milliardenschweren Hilfen für Griechenland rechtzeitig unter Dach und Fach kommen. Er rechne damit, dass alle Euroländer bis etwa zum 10. Oktober das neue Hilfspaket sowie die Erweiterung des Rettungsschirms EFSF absegnen werden, sagte Schäuble. Auch die Freigabe einer neuen Acht-Milliarden-Teilzahlung aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland peilen die Finanzminister für Oktober an. Dazu muss allerdings erst der Bericht der Expertenkommission aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank („Troika“) vorliegen.

Zugleich kamen aus Athen verwirrende Neuigkeiten: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag eine geplante Reise in die USA ab. Zur Begründung teilte sein Büro mit, dass die kommende Woche „sehr kritisch für die Umsetzung der Beschlüsse“ der EU sei. Griechische Medien berichteten, die Regierung mache sich nun große Sorgen um die nächste Tranche der Finanzhilfe. Finanzminister Evangelos Venizelos habe ein „äußerst negatives Klima“ beim Finanzministertreffen in Breslau festgestellt. Zuvor war die für Montag erwartete Ankunft der Troika in Athen ein zweites Mal aufgeschoben worden. Nur wenn die Experten grünes Licht geben, wird Griechenland die nächste Tranche seiner dringend benötigten Finanzhilfe bekommen.

Im schlimmsten Euro-Krisenfall wäre Deutschland nach Expertenberechnungen mit 400 beziehungsweise 465 Milliarden Euro im Risiko. „Die Euro-Krise wird für die deutschen Steuerzahler potenziell immer teurer“, erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Das Institut legt nicht nur Risiken aus den aktuellen Hilfsprogrammen für wankende Euro-Staaten zugrunde. Es berücksichtigt auch die laufenden Staatsanleihen-Ankäufe durch die EZB und Verbindlichkeiten der Krisenländer innerhalb des Euro-Zahlungssystems.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte vor Risiken in den Büchern der EZB. Die Zentralbanker hätten durch ihre geldpolitischen Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte „beträchtliche Risiken“ in ihre Bilanz genommen. Das bedeute „natürlich zugleich, dass Risiken zwischen den Steuerzahlern einzelner Länder umverteilt werden“, sagte Weidmann dem „Spiegel“. „Wir müssen diese Risiken wieder reduzieren, denn für diese Risiken steht mit 27 Prozent der deutsche Steuerzahler gerade.“ (dpa)

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