Wirtschaft : Euro-Kritiker stehen unter Beschuß

Verschiebung der Währungsunion für Politik und Finanzexperten kein Thema BONN / FRANKFURT (MAIN) (HB/dpa).Neben Bundesregierung und EU-Kommission haben am Montag auch die Chefvolkswirte führender deutscher Banken die von 155 deutschen Wissenschaftlern geforderte Verschiebung des Euro-Starts zurückgewiesen.Bundesfinanzminister Theo Waigel betonte, vieles deute darauf hin, daß Deutschland das Defizitziel von 3,0 Prozent Neuverschuldung erreicht habe.Tricks habe es dabei nicht gegeben.Deshalb könne er, so Waigel, die Kritik nicht nachvollziehen. Diese hatten sich für eine Verschiebung der für 1999 vorgesehenen Währungsunion ausgesprochen.Die Experten begründen ihre Position damit, daß sich die wirtschaftliche Lage seit dem Maastricht-Vertrag erheblich verschlechtert habe.Damit sei die Ausgangssituation für den Start der Währungsunion zum geplanten Termin "denkbar ungeeignet".Da der dauerhafte Erfolg des Euro aber wichtiger als der Zeitpunkt seiner Einführung sei, müsse die Währungsunion verschoben werden. Gleichzeitig betonen die Experten, zur europäischen Integration gebe es keine Alternative.Die gemeinsame Währung gehöre zumindest für Kerneuropa dazu.Der Konsolidierungsprozeß sei jedoch zu spät und zu halbherzig begonnen worden.Der Euro könne auch das Beschäftigungsproblem nicht lösen, warnen die Professoren.Notfalls dürfe die Währungsunion nur mit wenigen stabilen Ländern starten.Initiatoren des Manifests mit dem Titel "Der Euro kommt zu früh" sind die Professoren Wim Kösters (Bochum), Manfred Neumann (Bonn), Renate Ohr (Hohenheim) und Roland Vaubel (Mannheim).In völliger Übereinstimmung mit der Regierung stellte sich auch die Bonner SPD-Opposition gegen die 155 Wirtschaftsprofessoren.Eine stabile gemeinsame Währung sei nützlich für die europäische Integration und auch für die Stabilisierung der deutschen Arbeitsplätze, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Scharping.Auch SPD-Chef Lafontaine betonte: "Wir sind für eine zeitplangerechte Einführung". Auch bei den Chefvolkswirten der großen deutschen Banken stieß die Forderung der Wirtschaftswissenschaftler, den Start des Euro zu verschieben, auf Kritik und Ablehnung."Da werden die Schlachten der Vergangenheit geschlagen", kommentierte Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank, in einer Umfrage des Handelsblattes das Vorgehen der Wissenschaftler.Bevölkerung und Finanzmärkte würden verunsichert.Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, meint: "Daß sich der Druck zur Reform der Arbeitsmärkte verstärken wird, wie die Professoren selbst schreiben, läßt uns alle erwarten, daß diese Reformen jetzt um so zügiger in Angriff genommen werden".Auch Michel Heise von der DG Bank plädiert für mehr Optimismus: "Man sollte getrost auch auf die Kräfte des Wettbewerbs bauen". Das Bundesverfassungsgericht stellte unterdessen klar, daß es noch nicht entschieden hat, ob es die Klage von vier Professoren gegen den Euro behandelt.Meldungen über eine Annahme der Klage seien falsch, sagte ein Sprecher des Gerichts in Karlsruhe.Der Senat werde sich frühestens Ende Februar verständigen, wie er in der Angelegenheit verfahren will.Es sei auch möglich, daß die Klage der Professoren Joachim Starbatty, Wilhelm Nölling, Wilhelm Hankel und Karl Albrecht Schachtschneider als unzulässig zurückgewiesen werde.

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