Wirtschaft : Euro-Kurs: Die europäische Währung fällt weiter auf Elf-Wochen-Tief

Der Euro ist am Mittwoch an den europäischen Devisenbörsen zum Dollar auf ein Elf-Wochen-Tief gefallen und wurde zeitweise mit 0,8965 Dollar bewertet. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs mit 0,8973 Dollar erstmals seit Wochen wieder unter 90 Cents fest. Der Handel führt das unter anderem auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA zurück. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des US-Arbeitsministeriums legte die Produktivität dort in den vergangenen zwölf Monaten am stärksten seit 17 Jahren zu. Die Arbeitkosten sanken dagegen erstmals seit 1984. Beide Indikatoren waren deutlich besser als erwartet. Arbeitsminister Alexis Herman sagte, die Kombination aus hohem Produktivitätswachstum, geringer Arbeitslosigkeit und schwacher Inflation sei hervorragend.

Insgesamt geht man mehr von einer Dollar-Stärke, als von einer Euro-Schwäche aus. "Wenn den Euro etwas bewegt, dann vor allem die generelle Stärke des Dollar", sagte Mitul Kotecha, Devisenanalyst bei Crédit Agricole Indosuez in London. "Was wir sehen, ist mehr eine Dollar- als eine Euro-Geschichte", sagte auch Steve Barrow, Analyst bei Bear Stearns in London. Die sanfte Landung der US-Wirtschaft stütze den Dollar wie der wahrscheinliche Wahlsieg des Präsidentschaftskandidaten George W. Bush, der Perspektiven für Steuersenkungen in den USA schaffe.

An den wirtschaftlich guten Aussichten in der Euro-Zone habe sich indes nichts geändert, hieß es weiter. Auch die nicht gerade starken Zahlen zur deutschen Industrieproduktion und die jüngsten Arbeitsmarktdaten hätten daran nichts geändert. Dennoch bevorzugten die Investoren weiter die US-Märkte zur Geldanlage. Dem generell positiven wirtschaftlichen Szenario, dass die Analysten für den Euro-Markt entwerfen, widersprach der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle. Er sagte, man könne die "chronische Euro-Schwäche" der Währung nicht weiter übergehen. Im freien Fall des Euro offenbare sich die Einschätzung der Welt über die Zukunftsperspektiven der europäischen Wirtschaft. Brüderle forderte einen weiteren Schritt der Steuerreform mit einer "radikalen Steuervereinfachung". Auch müsse der Arbeitsmarkt in Europa flexibilisiert werden. Der Euro könne nicht gesund gebetet werden, sondern werde sich immer an den ökonomischen Realitäten orientieren. Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass das Problem des Rechtsradikalismus und die ausländerfeindlichen Übergriffe zu einer Verunsicherung der Märkte betragen würden. Dies könnte belegen, dass das Image eines Standortes die Kurse psychologisch beeinflusse, erklärte Brüderle weiter.

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