Wirtschaft : Euro: Kurs fällt nach Duisenberg-Rede auf Sechs-Monats-Tief

Schwindende Aussichten auf eine Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) haben den Euro am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten fallen lassen. Am Londoner Devisenmarkt wurden zwischenzeitlich nur noch 0,8463 Dollar pro Euro gezahlt. Damit war ein Dollar erstmals wieder über 2,31 Mark wert. Händler bergündeten den Verfall mit Äußerungen von EZB-Chef Wim Duisenberg in Wien, die an den Märkten als Abkehr von einer möglichen Intervention interpretiert wurden. Die EZB-Führung bekräftigte danach, dass sie eine Intervention nicht ausschließe.

Die EZB legte einen Referenzkurs von 0,848 Dollar fest - der tiefste Stand seit Ende November 2000. Angesichts des anhaltenden Kursverfalls verteidigte EZB-Chef Wim Duisenberg in Wien die Geldpolitik der Zentralbank als "angemessen". Durch eine gemeinsame Währung allein könne kein gemeinsamer Markt geschaffen werden. Im übrigen sei der Kurs des Euro "kein Ziel an sich". Die EZB bemühte sich danach um Schadensbegrenzung. Eine Intervention sei eine "Option", über die alle Zentralbanken verfügten, betonte EZB-Vize Christian Noyer. Die EZB hatte im vergangenen Herbst mehrfach zu Gunsten des Euro interveniert. Spekulationen über ein Eingreifen waren zuletzt aufgekommen, weil sich der Euro wieder dem damaligen Niveau näherte.

Noyer sah keinen Anlass, die Debatte über die Nachfolge Duisenbergs wieder zu eröffnen. Diese Frage habe für den Moment "keine Aktualität". Es liege an Duisenberg, wann er seinen Abschied nehme. Duisenberg war im vergangenen Jahr wegen unbedachter Äußerungen in die Kritik geraten, die den Euro unter Druck gesetzt hatten.

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