Wirtschaft : Euro: Kurs steigt über 0,95 US-Dollar

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Der Euro ist am Donnerstag deutlich gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung überwand im Laufe des Tages die als wichtig geltende Marke von 0,95 US-Dollar. Dabei profitierte der Euro nach Ansicht von Marktexperten davon, dass Devisen-Anleger aus dem japanischen Yen in die europäische Währung umschichten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 0,9523 (0,9412) US-Dollar erhöht. Der Dollar verbilligte sich damit weiter auf 2,0538 (2,0780) Mark. Grund für den Wechsel der Investoren vom Yen in den Euro seien die schwachen Konjunkturerwartungen für Japan, sagte Folker Hellmeyer, Devisenmarkt-Experte bei der Helaba in Frankfurt. Zudem würden Probleme bei japanischen Banken und Versicherungen erwartet.

Der Tokioter Aktienbörse steht offenbar ein stürmisches Frühjahr bevor. Experten warnen, dass in den kommenden Wochen und Monaten viele japanische Titel unter Druck geraten werden. "Besonders im Februar wird der Nikkei leiden", prophezeit Hideo Ueki, Portfolio-Manager der Investmentbank UBS in Tokio. Wie viele Marktbeobachter rechnet er mit starken Aktienverkäufen vor dem Ende des japanischen Fiskaljahres am 31. März. Im Hinblick auf den Bilanztermin werden sich vor allem die Finanzinstitute von langjährigen Positionen trennen müssen. Ein neues Gesetz gibt vor, dass Banken nicht länger mit mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen beteiligt sein dürfen.

Diese Vorgabe setzt vor allem die in den vergangenen zwei Jahren entstandenen mächtigen Bank-Kooperationen, wie etwa die von Sakura und Sumitomo, unter Verkaufsdruck. Denn gerade die neuen Bankriesen sind im Besitz großer Aktienpakete. Auch die Unternehmen werden ihre Bestände an Wertpapieren kräftig reduzieren. Sie müssen in Zukunft in ihren Bilanzen den Marktwert statt den Buchwert ihrer Investitionen ausweisen. Um ihre an der Börse erlittenen Verluste zu kaschieren, werden nicht wenige Konzerne in den kommenden Wochen Aktien zu Niedrigpreisen auf den Markt werfen.

Angesichts des drohenden Börseneinbruchs schließen Politiker der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) Stützungskäufe nicht aus. Der politische Chefkoordinator der LDP, Shizuka Kamei, forderte die Unternehmen in seiner Verzweiflung öffentlich auf, an ihren Beteiligungen festzuhalten. "Wenn der Nikkei bis auf 10 000 Punkte fallen sollte, kommen die Finanzinstitute in große Schwierigkeiten", erklärt UBS-Stratege Ueki die Aufregung. "Dann könnte es zu einem staatlichen Eingriff kommen." Klaus Kaldemorgen, DWS-Top-Fondsmanager räumt zwar ein, dass Aktienkäufe bei einem drohenden Abwärtsstrudel an den Aktienmärkten Sinn machen können. Doch um internationalen Anlegern Investitionen in Japan wieder schmackhaft zu machen, benötige das Land eine tief greifende Umstrukturierung der Wirtschaft. Er bleibe bei seiner Prognose für den japanischen Aktienmarkt eher skeptisch.

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