Wirtschaft : Euro: Kurssteigerung ermöglicht Gewinne

Daniel Rhee-Piening

Der Anleger liest es fast täglich in der Zeitung: Der Euro ist unterbewertet sagen unisono Politiker, Banker und Wirtschaftswissenschaftler. Warum dann nicht auf einen steigenden Euro setzen und beispielsweise heute die europäische Gemeinschaftswährung kaufen? So einfach ist dies nicht. Der Euro existiert bisher nur als Buchgeld, man kann ihn (was natürlich auch unsinnig wäre) nicht in den Safe legen. Es bleiben die Instrumente des Terminmarktes. Kauf- oder Verkaufsoptionen, Calls auf den Euro beziehungsweise Puts auf den Dollar. Die Anlageberater der Banken halten sich mit Empfehlungen für diese Art von "Wetten" allerdings sehr zurück.

Für Klaus-Jürgen Hellmig, Leiter der Hauptniederlassung der BHF-Bank in Berlin, könnte die Spekulation auf einen gegenüber dem Dollar steigenden Euro sogar aufgehen, wenn es in den USA zu einem Soft Landing kommt und das Wachstum in Euroland dann über demjenigen in den USA liegen würde. Doch Hellmig rät dringend von hochspekulativen Geschäften, etwa mittels Optionsscheinen, ab. Ein Optionsschein sei doch eine Wette auf Zeit und für Privatanleger ein sehr hohes Risiko. "Es besteht immer auch die Möglichkeit eines Totalverlustes, dies muss man den Anlegern deutlich sagen", warnt Hellmig. Und Hellmig gibt auch zu bedenken, "im vergangenen halben Jahr lagen doch alle Auguren, mit ihren Prognosen bezüglich des Dollars und des Euros mehr oder weniger weit daneben". Der BHF-Banker rät aber durchaus, die sehr wahrscheinliche Aufwärtsbewegung beim Euro in der Zusammensetzung des Aktiendepots zu berücksichtigen. Wer etwa sein Vermögen quer über alle Länder verteilt habe, könnte daran denken, amerikanische Titel zu verkaufen, um Währungsgewinne mit zu nehmen. Neuengagements sollten dann nicht mehr in Gilette oder Coca Cola sondern in europäischen Werten erfolgen, etwa Daimler-Chrysler oder auch VW. "Wer in der Vergangenheit, etwa zu Beginn der Russland-Krise oder des Golf-Krieges, also auf dem Tiefpunkt einer Aktienbaisse, investiert hat, lag ein Jahr später im Schnitt rund 40 Prozent besser", sagt der Banker.

Auch Klaus Metzke, Niederlassungsleiter von HSBC Trinkaus & Burckhardt in Berlin und hier zuständig für die Vermögensverwaltung, rät eindeutig von Calls oder Puts ab. "Das sind hochspekulative Geschäfte, die ich meinen privaten Kunden in aller Regel nicht empfehlen kann." Aber auch Metzke sagt: "Indirekt profitiert ja die Börse von einer möglichen Aufwärtsbewegung des Euro, immerhin sind derzeit alle unglücklich über die Kursrelation von Euro und Dollar." Metzke setzt im Moment beispielsweise auf Titel von Siemens.

Harald Mau, Leiter der Berliner Niederlassung von Schröder Münchmeyer & Hengst,verwiest zwar auch auf die Gefahr eines Totalverlustes bei Optionen. Kleinanlegern rate er deshalb grundsätzlich ab. Wer beispielsweise 10 000 Mark einsetzen wolle, könne auch in die Spielbank gehen, und alles auf Rot setzen. Aber Anleger, die auch hohe Risiken eingehen ...

Allerdings müsse die "Idee" eines Optionsscheins innerhalb von drei bis vier Wochen aufgegangen sein, sonst drohten Verluste. Mau empfiehlt Euro-Calls der Citibank, die täglich von dem Institut und auch an der Börse gehandelt werden. Über die Kondititonen, wie etwa den Basispreis und die Prämie muss sich der Anleger dann aber genau von seinem Bankberater informieren lassen. Besitzer großer Vermögen schließlich können auch Dollar auf Termin verkaufen. Wer etwa eine Million Mark im Depot habe, davon 20 Prozent in Dollarpapieren, für den sei dies unter Umständen interessant, meint Mau. So könne der Investor seine gegenwärtigen Währungsgewinne "einfrieren".

Hans Jacob, Leiter des Research und der privaten Vermögensverwaltung beim Bankhaus Löbbecke & Co., warnt Privatanleger ebenfalls: "Hände weg von Calls und Puts." Dies sei nur etwas für absolute Profis. Die Zeit arbeite gegen den Anleger. Immerhin etwas risikoärmer seien ein- oder zweijährige Optionsscheine auf Währungen. Hier sollte der Investor besser längere Zeiträume wählen und dafür ruhig eine höhere Präimie zahlen.

Der konservative Anleger aber sollte auf Aktien setzen. Jacob: "Dies bedeutet im gegenwärtigen Zeitpunkt keine US-Papiere kaufen, sondern europäische." Hier böten sich vor allem Titel von Unternehmen an, die von einem wiedererstarkten Euro profitieren könnten, Kaufhaus-Aktien zum Beispiel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar