Euro-Länder : Arbeitslosigkeit ist eine "Tragödie für Europa"

19 Millionen ohne Job: Die Arbeitslosigkeit in den Euro-Ländern steigt auf das höchste Niveau seit 2002. Dramatisch ist die Situation vor allem für junge Europäer.

Teresa Dapp
Hart getroffen. Besonders in Spanien und anderen südeuropäischen Schuldenländern ist die Arbeitslosigkeit hoch.
Hart getroffen. Besonders in Spanien und anderen südeuropäischen Schuldenländern ist die Arbeitslosigkeit hoch.Foto: p-a/dpa

Die Arbeitslosigkeit in den 17 Euro-Ländern hat den höchsten Stand seit elf Jahren erreicht. Im Februar waren 19,07 Millionen Menschen in der Euro-Zone ohne Job – 33 000 mehr als im Januar. Das meldete die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg. Damit ist wegen der andauernden Schuldenkrise ein neuer Rekordstand seit der Euro-Bargeldeinführung im Januar 2002 erreicht.

Die Arbeitslosenquote im Euro-Gebiet betrug im Februar zwölf Prozent – auch das ist ein Höchststand. Die Quote war bereits im Januar auf 12,0 Prozent geklettert, die Statistiker hatten jedoch zunächst nur 11,9 Prozent gemeldet. Nun korrigierten sie nachträglich ihre Angaben. In der gesamten EU mit 27 Staaten betrug die Quote 10,9 Prozent, 0,1 Punkte mehr als im Vormonat.

EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor nannte die Zahlen inakzeptabel und sprach von einer „Tragödie für Europa“. Er ließ über seine Sprecherin erklären: „Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen alle verfügbaren Mittel anwenden, um Arbeitsplätze zu schaffen und wieder zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum zu kommen.“

In den Euro-Ländern waren im Februar knapp 1,8 Millionen Menschen mehr arbeitslos als ein Jahr zuvor. Besonders schwierig ist die Lage in den südeuropäischen Ländern. Griechenland und Spanien melden eine Arbeitslosenquote von mehr als 26 Prozent, Portugal 17,5 Prozent. Hart trifft es die Jungen: Mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen in Griechenland und Spanien ist ohne Job. In Portugal und Italien ist es statistisch mehr als jeder Dritte. Im Schnitt lag die Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone bei 23,9 Prozent. Ein Jahr zuvor waren 22,3 Prozent der Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. „Das zeigt, in was für einer tiefen Krise manche Euro-Zonen-Länder sind“, erklärte Andor. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen wegen der Wirtschafts- und Schuldenkrise in vielen Ländern noch weiter ansteigen könnten.

Deutschland meldete mit 7,7 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosenquote der Euro-Länder, gefolgt von Österreich (8,9 Prozent) und den Niederlanden (10,4 Prozent). Mit 5,4 Prozent Arbeitslosigkeit hat Deutschland auch insgesamt eine der niedrigsten Quoten im Euro- Raum. Nur Österreich steht mit 4,8 Prozent noch besser da. Die Eurostat-Zahlen können von Angaben der Behörden in den Mitgliedstaaten abweichen, da sie vereinheitlich werden.

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten berieten sich bereits mehrfach über die dramatische Lage von Berufsanfängern. Helfen soll eine sogenannte Jugendgarantie. Danach soll jeder junge Mensch unter 25 Jahren in Europa innerhalb von vier Monaten einen Job haben oder eine Ausbildung beginnen können. Es handelt sich dabei eine Selbstverpflichtung der Länder. Auch für Praktikumsplätze oder die Teilnahme an Weiterbildungen wollen die EU-Länder sorgen. Dafür sollen in den kommenden Jahren insgesamt sechs Milliarden Euro fließen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die 27 EU-Staaten und das EU-Parlament auf den mehrjährigen Finanzrahmen der Union einigen, der von 2014 bis 2020 läuft. Ein Kompromiss dafür ist noch nicht in Sicht.

Die Fachminister der EU-Staaten hatten bereits grünes Licht für die Jugendgarantie gegeben, auch das europäische Parlament sprach sich dafür aus. Die Staatenlenker bekannten sich zum Abschluss des Gipfels im März ebenfalls dazu. Arbeitskommissar Laszlo Andor rief die EU-Länder am Dienstag erneut auf, die beschlossene Jobgarantie für Jugendliche umgehend umzusetzen. (dpa)

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