Wirtschaft : Euro: Schon meckern die Währungs-Skeptiker

Martina Ohm

Kaum legt der Euro an mehreren aufeinanderfolgenden Tage zu, melden sich die Berufsskeptiker zu Wort. Mit erhobenem Zeigefinger wird vor einem starken Euro gewarnt, der die schönen Exporterfolge zunichte machen könnte. Was für eine Übertreibung, was für eine Perspektive! Schließlich sind Europas Währungspolitiker nicht angetreten, um den Exporteuren gefällig zu sein, sondern um für stabile Preise zu sorgen. Außerdem zeigt ein Blick in die Chronik des Greenback: Mitte der 80er Jahre überlebte die deutsche Exportwirtschaft selbst einen US-Dollar von über drei Mark. Im Vergleich dazu gibt es Dollars heute fast zu Schleuderpreisen. Und doch lautet die akutelle Frage: Ist die jüngste Kurserholung des Euro am Devisenmarkt bereits die von vielen erhoffte Trendwende? Das hätte viel Gutes: Immerhin würde ein erstarkter Euro die Importteuerung dämpfen und der Europäischen Notenbank den Wind aus den Segeln nehmen, weiter geldpolitisch auf die Bremse zu treten. Ein etwas stärkerer Euro wäre mithin gut für die Konjunktur.

Viele erwarten, dass nach den US-Wahlen der Dollar schwächer - und der Euro stärker - wird. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass sich die US-Präsidentschaftskandidaten für Amerika und den Dollar stark machen. Es zählt aber auch, dass die US-Haushaltsüberschüsse verfrühstückt werden sollen. Gerade diese Überschüsse aber haben manche Anleger bislang bei der Stange gehalten, obwohl Handelsbilanzdefizite und Schulden eher gegen Dollaranlagen sprechen. So gesehen kann die Stimmung kippen. Schon einmal folgte einer beispiellosen Dollarhausse der Absturz.

Die Wende kommt freilich in kleinen Schritten. Zwar haben die jüngsten Wachstumsdaten die Erwartungen bestätigt, dass sich das US-Wachstumstempo verlangsamt. Die so genannte weiche Landung gilt als ausgemacht. Von Rezession aber kann keine Rede sein. Und die US-Erfolgsgeschichte der New Economy ist noch lange nicht zu Ende.

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