Wirtschaft : Euro soll Verbrauchern keine Nachteile bringen

Deutsches Defizit unter drei Prozent? BONN/BRÜSSEL (dpa/rtr).Deutschland wird das Defizitkriterium des Maastricht-Vertrages aller Voraussicht nach erreichen.Dies verlautete am Donnerstag aus Bonner Koalitionskreisen.Das Statistische Bundesamt habe die Neuverschuldung für das entscheidende Referenzjahr 1997 auf 2,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes beziffert, hieß es am Donnerstag.Damit würde Deutschland knapp unterhalb der im Vertrag genannten Drei-Prozent-Grenze liegen.Das Statistische Bundesamt verwies allerdings auf Anfrage auf die Bekanntgabe der definitiven Zahlen am heutigen Freitag in Wiesbaden.Ungeachtet dessen wurde am Donnerstag in Brüssel über die Folgen der Euro-Einführung am 1.Januar 1999 für die Verbraucher diskutiert.Weder dürften die Verbaucher von ihren Banken zur Kasse gebeten werden, noch Nachteile durch unklare Verträge erleiden, hieß es unisono auf der Konferrenz.Kritisiert wurde auch, daß die Bürger nach Einschätzung von Verbraucherverbänden und einigen Politikern rund zehn Monate vor der Einführung der neuen Währung noch nicht ausreichend informiert sind.Die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin Emma Bonino erklärte, es gelte vor allem die noch verbleibende Zeit bis zur Einführung zu nutzen, um das Vertrauen der Bürger in die neue Währung zu stärken."Vertrauen ist der Schlüssel für ihre Akzeptanz", sagte Bonino.Die Bürger werden die neue Währung erst von 2002 an in den Händen halten, doch von 1999 an rechnen die europäischen Banken bereits in Euro.Auch Bonino hielte es für unredlich, wenn die Bürger diese Umstellung müßten.Die Vorsitzende des Währungsausschusses im Europaparlament, die SPD-Abgeordnete Christa Randzio-Plath, rief die Steuerverwaltungen auf, am 1.Januar 1999 und nicht erst 2002 auf Euro umzustellen.Wenn Firmen und Banken früh in Euro bilanzierten, könne dies auch von Regierungen und Verwaltungen verlangt werden.Der für Währungsfragen zuständige EU-Kommissar Yves-Thibault de Silguy sprach sich für einen einheitlichen Zeitraum in der EU aus, in dem der Euro und die jeweilige nationale Währung parallel genutzt werden.Bisher ist die Regelung, daß diese Periode maximal sechs Monate betragen, aber von den jeweiligen Regierungen gekürzt werden kann."Die Kommission geht nach wie vor davon aus, daß dieser Zeitraum zu lang wäre,", sagte de Silguy.Dem widersprach Randzio-Plath, die in einem Mindestzeitraum von einem halben Jahr einen besseren Schutz des Verbrauchers gegen Übervorteilung bei Preisauszeichnungen sieht.Die europäischen Verbraucherverbände fordern wasserdichte Vorschriften für die Umstellung von Versicherungen und Hypotheken auf den Euro.Zum Sprachrohr dafür machte sich in Brüssel die Vereinigung europäischer Verbraucherverbände (BEUC).Nach Einschätzung der Verbraucherschützer könnten Anbieter von Baugeld und Versicherungen bei der Euro-Umstellung die Bedingungen der Verträge zum Nachteil der Kunden ändern.Deshalb müsse die EU-Kommission dringend Vorschläge zum Schutz der Verbraucher vorlegen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben