Wirtschaft : Euro-Staaten müssen Rüge einstecken

WASHINGTON (wie/zz/HB).Die sieben großen Industrieländer (G 7) haben Europa und Japan aufgefordert, mehr für die Ankurbelung der eigenen Konjunktur zu tun.In den Euro-Ländern hätten sich die Wachstumsaussichten verringert; alle Teilnehmerländer müßten mehr dafür tun, stärkeres Wachstum und eine höhere Beschäftigung zu erreichen, hieß es in einer Erklärung nach dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G 7 in Washington.

Die Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank hat nach Meinung von Bundesfinanzminister Hans Eichel "die ökonomische Ausgangslage für die Euro-Zone verbessert".Doch seien, wie Eichel nach der Sitzung des G 7-Gremiums erklärte, weitere Strukturreformen in Europa nötig.Die Lage der Weltwirtschaft habe sich nach Einschätzung der G 7 seit Herbst 1998 deutlich verbessert, doch bestünden weiter ernsthafte Herausforderungen.Eine Wachstumsstrategie müsse auf der Stärkung der Binnennachfrage, der Reduzierung der externen Ungleichgewichte und einem Ausgleich der Staatshaushalte beruhen.

Der Start des Euro sei "ein wenig zu euphorisch" gewesen, sagte Eichel, doch bereite der derzeitige Euro/Dollar-Kurs "keine Probleme".Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer mahnte die Märkte, "das Potential des Euro nicht zu unterschätzen".Eine weitere Abwertung halte er nicht für angemessen.Die Börsen reagierten prompt auf Tietmeyers Äußerungen.Der Euro legte leicht zu, die Europäische Zentralbank legte den Kurs mit 1,0630 (nach 1,0614) Dollar fest.

Tietmeyer unterstrich außerdem, daß es bei der geforderten Stärkung der Geld- und Fiskalsysteme "nicht um eine neue, sondern um einen Ausbau der alten Architektur geht".Die G-7 wollen dem Kölner Gipfel im Juni Vorschläge zur Stärkung des Währungssystems vorlegen.

Die Bundesregierung unterstützt die russische Forderung nach neuen IWF-Krediten.Doch muß Rußland, wie Eichel meinte, ein solches Programm auch umsetzen.Die G 7 zeigten sich "besorgt über die anhaltende finanzpolitische und makroökonomische Instabilität" in Rußland.Bei der Restrukturierung der russischen Schulden gehe es, wie Eichel sagte, nur um die Altlasten, also die Verpflichtungen der ehemaligen Sowjetunion.Ein Schuldenerlaß komme nicht in Frage, sagte Eichel.Die noch offenen Fragen zu einer stärkeren Entlastung armer und hochverschuldeter Länder sollen, wie der designierte Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, sagte, bis zum Kölner G-7-Gipfel gelöst werden.Es gehe auch darum, Länder mit guter Leistung bei der Entlastung zu begünstigen.Die Kosten des Gesamtprogramms seien noch nicht zu schätzen.

Auch das Volumen der geplanten Hilfe für den Kosovo könne noch nicht abgeschätzt werden.Erst bedürfe es einer humanitären Hilfe, dann käme der Wiederaufbau.Die Washingtoner Institutionen kalkulieren die Kosten von Hilfsmaßnahmen für die Anrainerstaaten Jugoslawiens nach Angaben von Koch-Weser allein für 1999 mit 0,8 Mrd.bis 1,8 Mrd.Dollar.

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