Euro : Stabile Beziehung

Der Euro hat turbulente Jahre hinter sich. Heute wird er als Reservewährung weltweit geschätzt. Kritische Stimmen bezweifeln die Bedeutung der Währung für das Wirtschaftswachstum innerhalb der Europäischen Union.

Rolf Obertreis
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Frankfurt am MainKurz vor dem ersten großen Jubiläum wird der Euro am Devisenmarkt noch einmal poliert. Am Montag stieg der Referenzkurs der europäischen Gemeinschaftswährung kräftig auf 1,4270 Dollar. Das waren fast drei Cent mehr als vor Weihnachten.

Eine andere Ziffer – 1,95583 – hatte für die Deutschen vor zehn Jahren historische Bedeutung. Am 1. Januar 1999 markierte sie den Umrechnungskurs der D- Mark zum Euro. Der Start der Europäischen Währungsunion (EWU) bedeutete das Aus für die D-Mark und elf andere Währungen in Europa und läutete nicht nur das Eurozeitalter ein, sondern die größte Umwälzung im Weltwährungssystem seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

In der Neujahrsnacht 1999 knallten in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Österreich, Finnland und Irland zwar die Sektkorken, aber nicht alle feierten. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einer „kränkelnden Fehlgeburt“. Der Euro bringe keine blühenden Landschaften, sondern koste Arbeitsplätze. Wissenschaftler klagten gegen den Verbund, Großbritannien, Dänemark und Schweden verweigerten sich dem Euro.

Zehn Jahre danach sind die kritischen Stimmen nahezu verstummt. Mit 320 Millionen Menschen ist die EWU nach China und Indien der größte einheitliche Währungsraum. Griechenland, Malta, Zypern und Slowenien sind zum Euro dazugestoßen, die Slowakei wird zum 1. Januar das 16. Mitglied. Weitere Staaten warten auf den Zuschlag.

Das hat seine Gründe: Der Euro hat Stabilität gebracht. Die Preissteigerungsrate lag in den vergangenen zehn Jahren im Euroraum im Jahresschnitt nur bei knapp über zwei Prozent. Fast drei Prozent Inflation im Jahr 2008 waren ein Ausreißer, verursacht vor allem durch die bis Jahresmitte dramatisch gestiegenen Energiepreise. Selbst in den 50 Jahren der harten D-Mark hatte die Inflation mit durchschnittlich 2,8 Prozent höher gelegen.

Trotzdem wurde der Euro als Teuro verteufelt. Bis heute hat er dieses Image nicht ganz abstreifen können. Da spielt auch mit, dass sich die Deutschen von ihrer geliebten D-Mark und der geachteten Bundesbank trennen mussten, wie Otmar Issing sagt, erster Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Tatsächlich sind mit der Einführung des Eurobargelds am 1. Januar 2002 etliche Dinge des täglichen Bedarfs teurer geworden: Brot, Bier oder die Reinigung. Mieten dagegen sind nicht gestiegen, den Preisverfall bei Fernsehern und Computern hat auch der Euro nicht gebremst.

International hat sich der Euro behauptet. Er gilt nach dem Dollar als weltweit wichtigste Währung. Fast ein Drittel der Währungsreserven werden mittlerweile in Euro gehalten. Zwar waren die ersten Jahre schwer, weil der Euro am 1. Januar 1999 mit einem zu hohen Wechselkurs ins Rennen geschickt worden war: 1,1789 Dollar. Bis auf rund 0,83 Dollar im Herbst 2000 stürzte er ab. Seitdem aber ging es steil nach oben bis auf 1,60 Dollar im April 2008. Das gefällt den Exporteuren nicht, weil ihre Produkte im Dollarraum teurer sind. Dafür aber wird zum Beispiel die Einfuhr von Öl, das in Dollar abgerechnet wird, billiger.

Auch in der Finanzkrise zeigen sich die Vorzüge. „Die Devisenmärkte wären im Chaos versunken“, sagt Zentralbanker Issing. Statt unter Wechselkursschwankungen zu leiden, profitierten die Unternehmen heute davon, dass der Euroraum praktisch zum Heimatmarkt geworden sei.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Roland Vaubel, Volkswirt an der Universität Mannheim, sagt, es gebe „eine ganze Reihe von Ländern, die mit der EWU nicht gut gefahren sind, weil die Geldpolitik nicht auf die speziellen Bedürfnisse einzelner Länder eingeht“. Für einige Staaten mit hoher Inflation sei sie zu expansiv, für andere gebe es keine Möglichkeit zur Währungsabwertung. Euroanhänger halten Vaubel entgegen, dass dies nur vorübergehend helfe, Probleme überspiele, letztlich die Preise treibe. „Der Euroraum ist ein Club der Reichen. Es ist einfach schick, dabei zu sein. Ökonomisch ist es aber verkehrt“, sagt Vaubel.

Selbst die Bundesbank gibt sich kritisch. Für Strukturreformen und für das Wachstum habe der Euro weniger gebracht als erhofft. Auf die EZB aber lässt die Bundesbank nichts kommen. Dabei hätten sich die deutschen Notenbanker vor Jahren wohl kaum vorstellen können, dass der Euro mit einem Franzosen und einem Griechen an der EZB-Spitze mehr Stabilität bringen würde als die D-Mark.

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