Wirtschaft : Euro steigt auf ein neues Drei-Jahres-Hoch

Gemeinschaftswährung klettert über die Marke von 1,07 Dollar / Devisenmarkt-Analysten sehen US-Währung weiter unter Druck

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Frankfurt (Main) / Berlin (dr/dpa). Der Euro ist am Dienstag erstmals seit Oktober 1999 über die Marke von 1,07 Dollar geklettert. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg am Abend nach erneuten Warnungen von USPräsident Bush an die Adresse des Irak bis auf 1,0728 Dollar.

„Die Kommentare von Bush haben den Markt belebt und die Investoren an das negative Dollarumfeld erinnert“, sagte Rob Hayward, Währungsanalyst bei ABN Amro. Zuvor hatte der Euro um die Marke von 1,0650 Dollar gependelt. Der Euro befindet sich nach Experten-Einschätzung weiterhin in einem Aufwärtstrend in Richtung 1,10 Dollar.

Beim Start im Jahr 1999 stand die europäische Einheitswährung bei etwa 1,18 Dollar. Der historische Höchststand datiert vom 4. Januar 1999 mit 1,1888 Dollar. Am 26. Oktober 2000 markierte der Euro mit einem Kurs von 0,823 Dollar seinen bisherigen Tiefstpunkt gegenüber der US-Währung.

Nach Ansicht vieler Experten wird die Luft für den Euro oberhalb von 1,10 Dollar vor allem wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche des Euroraums sehr dünn. Die Analysten der WestLB zum Beispiel gehen davon aus, dass der Euro im Jahresverlauf wegen der wirtschaftlichen Probleme der Kernländer in der Eurozone wieder auf ein Niveau von 0,92 Dollar zurückfallen wird. Nach Ansicht der Commerzbank-Spezialistin Alexandra Bechtel sind am Dienstag die jüngsten Konjunkturdaten angesichts der nach wie vor großen Kriegssorgen verpufft. „Wirtschaftliche Daten haben derzeit eine untergeordnete Bedeutung“, sagte Bechtel. „Im Augenblick spielen die weltpolitischen Sorgen die wichtigste Rolle.“ Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs des Euro am Mittwoch gegenüber dem Vortag unverändert bei 1,0653 Dollar festgelegt. In Tokio kostete der Dollar 118,87 Yen.

Commerzbank-Expertin Bechtel sieht den Dollar auch weiterhin unter Druck. Der Dollar sei nicht mehr, wie in früheren Zeiten, Krisenwährung, denn die USA seien in den aktuellen Konflikt zu stark engagiert und, wie der 11. September gezeigt habe, auch angreifbar. In dieser Situation scheuten internationale Anleger jedes Risiko und konzentrierten sich auf Anlagen in ihren jeweiligen Heimatmärkten.

Interventionen der Europäischen Zentralbank zugunsten des Dollar erwartet Bechtel nicht. Ein schwacher Dollar bedeute niedrigere Ölpreise für Europa und entsprechend niedrigere Inflationsgefahren. Die Europäische Zentralbank erhalte so die Möglichkeit zu weiteren Zinssenkungen.

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