Wirtschaft : Euro-Umstellung von Versicherungen reine Formsache

HELMUT ZERMIN

Vera und Richard Wachner aus Frohnau machen sich Gedanken.Seit 25 Jahren zahlt das Berliner Ehepaar wie viele Deutsche Beiträge für zwei Kapital-Lebensversicherungen in D-Mark - ausgezahlt aber werden die Policen nach dem 1.Januar 2002 in Euro.Und schon von Anfang kommenden Jahres an wird die Währungsunion in elf Ländern der Europäischen Union Realität.Was wird dann aus unserem Geld, fragen sich die Wachners - und mit ihnen viele andere.Sorgen muß man sich nicht machen.Der Betrag, der den Wachners für ihre Lebensversicherungen ausbezahlt wird, wird wertegenau von D-Mark in Euro umgerechnet.Die Umstellung ist eine reine Formalie.Nachteile sind damit nicht verbunden.

Die tatsächlichen Werte ändern sich durch die künftige Währungsbezeichnung nicht.So wie ein Kilometer bei Änderung der Maßeinheit auf Zentimeter nicht länger wird, verhält es sich auch mit der Einführung des Euros.Der tatsächliche Geldwert, zum Beispiel der einer Versicherungssumme, bleibt gleich.Lebensversicherungskunden müssen sich lediglich an die ungewohnten Euro-Beiträge gewöhnen.Mit Ende der Übergangszeit, das heißt spätestens zum 1.Januar 2002, werden bei Lebensversicherungen die Versicherungsbeiträge, die Versicherungssumme, der Rückkaufswert und die festgeschriebenen Gewinnanteile auf der Basis der unwiderruflich fixierten Umrechnungskurse automatisch von D-Mark auf Euro umgestellt.Wenn sowohl der Kunde als auch der Lebensversicherer einer vorherigen Vertragsanpassung zustimmen, kann die Umstellung der Verträge auch schon zum 1.Januar 1999 erfolgen.Die Umrechnung bereitet dabei kaum Probleme.Aus einer garantierten Versicherungssumme von 100 000 DM werden künftig bei einem derzeitigem Umrechnungskurs von 1,98 DM für einen Euro, gerundet 50 505 Euro.Aus einer Monatsprämie von etwa 100 DM 50,50 Euro.Verträge die dabei auf D-Mark lauten, müssen daher nicht neu formuliert werden.Erst Ende 2001 werden automatisch alle auf D-Mark lautenden Lebensversicherungspolicen auf Euro umgestellt.Bis zum 1.Januar 2002 sind die Policen allerdings in der Währung zu erfüllen, in der sie abgeschlossen wurden.Dies bedeutet, daß fällig werdende Versicherungsleistungen aus auf D-Mark lautenden Verträgen auch in D-Mark ausgezahlt werden.Sofern der Kunde jedoch schon ab dem 1.Januar 1999 eine Auszahlung in Euro wünscht und über ein entsprechendes "Euro-Konto" verfügt, kann die Gutschrift auch in Euro erfolgen.Eine Barauszahlung ist hingegen nicht möglich, da der Euro während der Übergangszeit nur in Form von Buchgeld - als weder als Münzen noch Scheinen - in Erscheinung tritt.

Von einer Kündigung ihrer Lebensversicherungspolicen wegen der Einführung des Euro kann den Wachners nur abgeraten werden.Denn bei einer Kündigung von Kapital-Lebensversicherungen bekommen Kunden bei den meisten Gesellschaften in den ersten zehn Jahren kaum die eingezahlten Beiträge heraus.Die Gutschriften der Gewinnbeteiligungen am Ende des Vertrages gehen verloren.Wenn die Police noch keine zwölf Jahre läuft, werden außerdem die Erträge besteuert.Wer eine neue Police abschließt, muß wegen des inzwischen gestiegenen Eintrittsalters mit höheren Beiträgen rechnen.

Profitieren können Lebensversicherte freilich von den Möglichkeiten, die die Unternehmen bei der Kapitalanlage im Euro-Rahmen haben.Der Euro öffnet auch für die Anlagepolitik der Lebensversicherer das gesamte Spektrum des dann zweitgrößten Kapitalmarktes der Welt.Nach dem Gesetz sind die Vermögensverwalter der Lebensversicherer gesetzlich verpflichtet, mindestes 80 Prozent des Geldes in der Währung anzulegen, in der die Verpflichtungen aus den Verträgen zu erfüllen sind.Lauten die Policen künftig auf Euro, so können die Lebensversicherer den gesamten Euro-Währungsraum ohne Währungsrisiken für die Kapitalanlage nutzen.Er wird ihnen attraktivere Anlagemöglichkeiten als bisher bieten, so daß die Ablaufleistungen und die Überschußbeteiligungen tendenziell steigen werden.

Insbesondere haben die Lebensversicherer angekündigt, daß sie die neue europäische Geldordnung dazu nutzen werden, den Aktienanteil (bis zu 30 Prozent sind möglich) zu erhöhen.Die bessere Chancen für die Erhöhung des Aktienanteils am Vermögensportfolio kommen gerade rechtzeitig, um die mageren Zinserträge aufzubessern.

Auch, ob die Lebensversicherer die Kosten der Umstellung auf den Euro auf ihre Kunden abwälzen, können die Lebensversicherten bisher nichtkontrollieren.Dazu wären sie nur in der Lage, wenn sie wüßten, wie ihre Beiträge für Kosten, Risikoanteil und Sparanteil verwendet werden.Doch diese Transparenz stellen die Versicherer bisher nicht her.Dazu müßte sie der Gesetzgeber mit einer Reform des Versicherungsvertragsgesetzes verpflichten.Nötig wäre das auch ohne den Euro.Die Gewinnbeteiligung der Versicherten bleibt deshalb auch nach Einführung des Euro eine unverbindliche Größe.

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