Euro und D-Mark : Zurück in die Zukunft?

Euroland ist in der Krise, und prompt sehen die Euro-Apokalyptiker und D-Mark-Nostalgiker ihre Stunde gekommen.

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Hatten sie es nicht schon immer gesagt, dass die Gemeinschaftswährung eine Fehlkonstruktion sei? Hätten die Griechen ihre Drachme und die Portugiesen ihren Escudo behalten, dann wären sie erst gar nicht in ihre heutige Lage geraten. In jedem Fall, das Ende des Euro ist nah und die Mark hat uns bald wieder. So und ähnlich tönt es nun aus den Abstellkammern der Wirtschaftswissenschaft und den Schlagzeilenschmieden des Boulevards. Gewiss werden die demoskopischen Volksseelenforscher bald berichten, dass irgendeine Mehrheit die Abkehr vom Euro befürwortet.

Doch die Apologeten der D-Mark- Rückkehr wissen gar nicht, was sie sich da wünschen. Gerade die Finanzkrise hat den zentralen Vorteil der Gemeinschaftswährung bewiesen. Ohne den Euro-Verbund hätte halb Europa auf der Suche nach Sicherheit seine Ersparnisse in die Währung mit der größten Volkswirtschaft dahinter verlagert. Der Kurs der D-Mark gegenüber allen anderen europäischen Währungen wäre förmlich explodiert. Binnen weniger Wochen wären im Herbst 2008 die Preise für deutsche Waren in Europa um 30 Prozent oder mehr gestiegen und die deutsche Wirtschaft wäre vermutlich nicht um fünf, sondern um zehn Prozent geschrumpft. Und das keineswegs zum ersten Mal. Schon 1999 im Gefolge der Asienkrise und erst recht 2001 nach dem Platzen der Internetblase wäre Ähnliches geschehen. Ein Europa der währungspolitischen Kleinstaaterei, das wäre der Jackpot für Spekulanten gewesen, und anders als jetzt wären die EU-Staaten – so wie einst in den 70er und 80er Jahren – dem Treiben hilflos ausgeliefert.

Gewiss, das Euro-Projekt hat einen Konstruktionsfehler: Es gibt keinen regulären Mechanismus, mit dem die Mitgliedsländer verhindern, dass sie sich zu weit auseinanderentwickeln. Langfristig ist es unmöglich, dass einige Staaten, allen voran Deutschland, ständig Exportüberschüsse erwirtschaften, die sich bei den anderen als Handelsdefizite niederschlagen. Das führt zwingend in die Überschuldung der Defizitländer. Darum müssen die Euro-Staaten nun den Ausgleich organisieren. Das wird mühsam und teuer. Doch die vermeintliche Alternative – die Rückkehr zu den alten Währungen – wäre unbezahlbar. Denn sie würde die industrielle Arbeitsteilung in Europa auf das Niveau der 90er Jahre zurückwerfen, und kein Land würde dabei mehr verlieren als Deutschland. Rückwärts in die Zukunft ist keine Option.

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