Wirtschaft : Euro und schwache Konjunktur belasten den Einzelhandel

msh/opp

Der deutsche Einzelhandel hat zu Jahresbeginn deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Grund für die Kaufzurückhaltung der Verbraucher ist nach Angaben von Handelsverbänden und Unternehmen die Verunsicherung nach der Euroeinführung und die weiter schwache Konjunktur. "Die ersten beiden Monate verliefen für den Handel sehr enttäuschend", sagte Ullrich Martinius, Geschäftsführer des Handelsverbandes BAG, dem Tagesspiegel. Auch im März zeichne sich noch keine Besserung ab. Genaue Zahlen veröffentlicht heute das Statistische Bundesmt.

In den vergangenen Wochen hatten bereits der Versandhandel und der Großhandel ein deutlich schwächeres Geschäft gemeldet. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels berichtete von einem "katastrophalen Januar". Der Großhandel mit konsumnahen Gebrauchs- und Verbrauchsgütern ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent zurück. Die Verunsicherung der Verbraucher bekommen jetzt auch die Einzelhändler zu spüren. "Nach der anfänglichen Euphorie für den Euro haben die Konsumenten den Eindruck, dass ihnen etwas im Portemonnaie fehlt", sagt Martinius. Dazu hätten auch die deutlich sichtbaren Preiserhöhungen in der Gastronomie und bei Dienstleistungen beigetragen.

"Wir sehen die Euroumstellung als Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung", sagt Thorsten Rolfes, Sprecher des Textilhändlers C & A. Bei den Kunden sei ein Gewöhnungsprozess an die neue Währung zu beobachten gewesen, "häufig rechnen sie im Kopf noch um, wieviel das in D-Mark ist", sagt Rolfes. Nach Angaben des Metro-Konzerns rechnen immer noch 83 Prozent der Kunden die Preise von Euro in D-Mark um. Die Verunsicherung der Kunden lasse mittlerweile aber nach.

Neben dem Euro belasten gestiegene Abgaben und die schwache Konjunktur das Konsumklima. "Steuererhöhungen wie bei der Öko- und der Tabaksteuer liegen den Verbrauchern schwer auf der Tasche", sagt Heiko Müller, Sprecher des Bundesverbandes der Filialbetriebe und SB-Warenhäuser (BFS). Im Januar und Februar habe es bei den Mitgliedsunternehmen des BFS "deutliche Umsatzeinbußen" gegeben. Besonders schlecht liefen laut Müller Textilien und langlebige Konsumgüter. Für die kommenden Monate hofft Müller auf Besserung. Einen Schub könnte die Cebit für den Absatz von Elektroartikeln bringen.

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