Wirtschaft : Euro-Verbesserung: Währung von Talfahrt erholt - Keine Erhöhung der Zinsen in den USA erwartet

Im Vorfeld der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Fed) hat sich der Euro am Dienstag von der Talfahrt der vergangenen Tage erholt. Im Devisenhandel herrsche allerdings Ungewissheit über eine mögliche Leitzinsentscheidung der US-Notenbank, berichteten Händler. Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt (Main) setzte den Referenzkurs des Euro am Dienstagmittag auf 0,9401 US-Dollar fest. Damit kostete der Dollar 2,0804 Mark. Am Montag hatte die EZB einen Referenzkurs von 0,9327 Dollar ermittelt.

Darüber hinaus hielt die EZB den Zinssatz nahezu stabil und teilte den Banken über einen Zinstender großzügig Kapital - 99 Milliarden Euro - zu. Insgesamt hatten 800 Kreditinstitute in dieser ersten Runde Gebote über knapp 202 Milliarden Euro abgegeben. Der Zinssatz lag mit 4,29 Prozent nur geringfügig über dem Leitzins von 4,25 Prozent, der gleichzeitig Mindestbietungssatz war. Die Mehrheit der Geldmarktspezialisten wertete die Zuteilung des ersten zweiwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäftes, dass die Europäischen Zentralbank im Zinstenderverfahren durchführte, positiv. "Der Europäischen Zentralbank ist mit ihrem ersten Zinstendergeschäft eine Punktlandung geglückt". Diese Einschätzung äußerte Ulrich Karrasch von der Hypo-Vereinsbank. Dies sei um so bemerkenswerter, weil die Umstellung vom Mengen- auf den Zinstender auf Grund des Halbjahresultimos und des Mindestreserve-Erfüllungstermins zu einem ungünstigen Zeitpunkt stattgefunden habe. Die Nachfrage nach Liquidität sei groß gewesen. Dadurch hätten sich die Tagesgeldsätze in den vergangenen Tagen zeitweise bis auf fast fünf Prozent hoch geschaukelt. "Unter diesen Umständen ist ein marginaler Zuteilungssatz, der geringfügig über dem Mindestbietungssatz liegt, nicht als Zinserhöhung zu verstehen", so Karrasch weiter. Nach der Zuteilung sank der Geldmarktsatz auf etwa 4,32 bis 4,37 Prozent.

Die weiteren Aussichten für den Euro wurden eher positiv beurteilt. Der Markt gehe trotz des Einbruchs in der Vorwoche von einem Andauern der Euro-Kurserholung aus, sagte der Devisenhändler Jeremy Stretch vom Bankhaus Greenwich Natwest. Ein deutlicher Kursauftrieb sei vor der Fed-Sitzung nicht zu erwarten. "Die Händler befürchten, dass sie von der Fed auf dem falschen Fuß erwischt werden", sagte Stretch. Die Mehrzahl der Devisenanalysten rechnet mit keiner Zinserhöhung. Ein unerwarteter Zinsschritt würde allerdings den Euro nach unten treiben, erklärte Stretch. Kapitalanlagen würden dann in den USA attraktiver und in der Euro-Zone weniger attraktiv.

Gegen eine Zinserhöhung in den USA könnten auch die jüngsten US-Wirtschaftsdaten sprechen. Danach sind die US-Verbraucher nicht mehr ganz so zuversichtlich über die Wirtschaftsentwicklung des Landes wie bisher. Der Index sank im Juni auf 138,8 nach 144,7 im Mai, dem nach Januar höchsten Stand seit Einführung der Skala vor 32 Jahren. Das teilte das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, am Dienstag in New York mit. Ein wesentlicher Grund für die Abnahme des Vertrauens in einen ungebrochenen Boom ist nach Auffassung von Analysten die spürbare Steigerung der Benzinpreise.

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