Wirtschaft : Euro: Viele wollen sich erst Neujahr mit dem neuen Geld eindecken

tmh / ro

Deutschlands Filialbanken steuern bei der Ausgabe von Euro-Geld am ersten Januar 2002 auf ein Chaos zu. Denn mit zuletzt 36 Prozent wollen sich immer mehr Bundesbürger gezielt am Neujahrstag bei Kreditinstituten mit neuen Geldscheinen eindecken, sagte der Euro-Beauftrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Reinhold Rickes, vor Journalisten in München zu den Ergebnissen einer jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Emnid. Im Februar 2001 habe diese Quote erst bei 29 Prozent gelegen.

Die neue Marke sei eine "schockierende Zahl", warnte Sparkassen-Manager Hans-Jürgen Benthaus. Wenn sie so hoch bleibe oder noch steige und am ersten Januar Tausende Kunden jede Bankfiliale stürmen, würde für den Geldumtausch die von den Kreditinstituten befürchtete "Chaos-Variante" in Kraft treten. Deshalb sei es notwendig, die zeitlich zunächst beschränkte "Schlafmünzen-Kampagne" der Kreditwirtschaft zu wiederholen, um noch umzusteuern.

Obwohl deren Ziele bislang nicht erreicht wurden, wertete der Sparkassenverband die Aktion als Erfolg. Im Juni haben laut Emnid acht Prozent aller Bundesbürger 4,5 Milliarden Stück D-Mark-Münzen im Wert von über 1,5 Milliarden Mark auf ihre Konten eingezahlt, wo die D-Mark-Beträge automatisch zum Jahreswechsel in Euro umgestellt werden. Erwartet worden war ein Rückfluss von acht Milliarden D-Mark-Münzen. Ein Erfolg sei die Kampagne dennoch gewesen, weil sie "den Euro in die Köpfe" der Bevölkerung gebracht habe, sagte Rickes. Immerhin wüssten nun 72 Prozent der Bürger, dass Anfang 2002 der Euro kommt. Im Februar waren es erst 53 Prozent. Das Vertrauen in den Euro sei parallel dazu von 38 auf 43 Prozent gestiegen. Auch diese Werte müssten aber durch Öffentlichkeitsarbeit noch verbessert werden, forderte der Verband.

In bundesdeutschen Depots würden unter anderem 89 Millionen 1000 D-Mark-Banknoten schlummern, sagte Rickes. An D-Mark-Münzen wird ein Rückfluss von insgesamt 28,5 Milliarden Stück erwartet. Die Reduzierung des Bargeldumlaufs um rund zehn Milliarden Mark im ersten Quartal 2001 ist angesichts dieser Summen gering. Benthaus hofft ab Oktober auf die eigentliche D-Mark-Rückgabewelle und darauf, dass sich 2002 die Mehrzahl der Bürger per Geldautomat mit neuen Scheinen versorgt. Bis Ende Februar 2002 können D-Mark-Restbestände auch noch im Handel ausgegeben werden.

Gebühren für Fremdkunden

Unterdessen zeichnet sich ab, dass Verbraucher, die ihre D-Mark nicht bei der eigenen Bank in Euro eintauschen, sich offenbar nun doch auf Gebühren einstellen müssen. Die Postbank kündigte am Montag an, für den Umtausch ein Entgelt von fünf Euro (9,75 Mark) zu verlangen. Der Sparkassen- und Giroverband wies darauf hin, dass Fremdkunden schon immer Gebühren beim Devisentausch zahlen mussten. Das werde auch beim Euro gelten. Die Commerzbank will allerdings eine haushaltsübliche Menge von 1000 Mark in Scheinen und 20 Mark in Münzen auch Nichtkunden kostenlos umtauschen. Eine rechtliche Verpflichtung zum kostenlosen Umtausch bei Nicht-Kunden gibt es jedoch nicht.

Die Einführung des Euro- Bargeldes Anfang Januar nächsten Jahres wird nach Ansicht von Bundesbank- Präsident Ernst Welteke nur vereinzelt zu Warteschlangen bei den Banken führen. Für die Verbreitung von Horrorszenarien gebe es überhaupt keinen Grund. "Niemand muss ab 1. Januar nächsten Jahres zu einer Bank oder Sparkasse gehen, um DM gegen Euro zu tauschen. Er kann seine DM einfach beim Einkaufen ausgeben. Das Wechselgeld erhält er in Euro. Und am Geldautomaten zieht er sich die Euro-Scheine". Für Welteke hat deshalb auch wenig Bedeutung, dass die Postbank in ihren Filialen für den Bargeld- Umtausch von Fremdkunden im Januar und Februar 2002 jeweils fünf Euro verlangen will.

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