Wirtschaft : Euro: Vorschnelle Hoffnungen

Bernd Hops

Die Hoffnungen auf eine Erholung des Euro wachsen. Angesichts des neuerlichen Sprungs der Einheitswährung über die Marke von 0,91 US-Cent ruft so mancher Politiker und Manager bereits die Trendwende aus: In ein paar Monaten werde ein Euro wieder einen ganzen Dollar kosten, sagen sie. Endlich ziehe Europa gleich, wenn auch nur optisch. Und zugleich heben die üblichen Klagen an. Steigt der Euro zu stark, werden auch die Exporte Europas teurer, und das wiederum drücke das Wachstum.

Doch vorerst brauchen sich die Unternehmen wenig Sorgen zu machen und Amerika-Touristen wenig Hoffnung. Denn die vermeintliche Stärke des Euro ist eher eine vorübergehende Schwäche des Dollar. Und das wird vorerst so bleiben. Der Grund: Der Dollar und die amerikanische Wirtschaft dominieren die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Sinkt der Wert des Greenback, sind die Ursachen dafür eher hausgemacht. Vergangene Woche legte der Euro nur deshalb zu, weil die US-Wirtschaft Schwäche zeigte - nicht etwa Europa Stärke.

Festigt sich der Aufschwung in Amerika, kann es mit der Euro-Stärke schnell wieder vorbei sein. Außerdem sind Argumente wie das riesige Leistungsbilanzdefizit der USA nur bedingt wirksam. Das Defizit ist schon seit Jahren bekannt - gestört hat es bislang aber niemanden. Ernsthaft geht keiner davon aus, dass die Europäische Union die USA von ihrem Thron als Weltwirtschaftsmacht stoßen kann. Europa verlässt sich außerdem auf die US-Konjunktur, um sein eigenes Wachstum wieder flott zu machen.

Wer also angesichts schlechterer US-Wirtschaftsdaten in Europa frohlockt, sollte nicht vergessen: Überholen kann ein Waggon die Lokomotive, die ihn zieht, nicht. Wird die Lok langsamer, trifft das den ganzen Zug.

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