Wirtschaft : Euro: Währungshüter mit dem Start zufrieden

tog/bsc

Die Umstellung auf den Euro ist nach Einschätzung von EU-Kommissar Pedro Solbes und EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans ein "klarer Erfolg". Der Umlauf des neuen Bargeldes habe "mehr als zufrieden stellend" begonnen, sagte der für Währungspolitik zuständige EU-Kommissar Solbes am Mittwoch in Brüssel. Auch die Verbraucherverbände zeigten sich von dem überwiegend reibungslosen Währungswechsel überrascht. Testkäufe hätten gezeigt, dass Verbraucher und Handel überwiegend gut vorbereitet seien. Engpässe an Geldautomaten und kleinere Probleme beim täglichen Einkauf könnten aber noch für Unmut sorgen, hieß es einschränkend. Derweil berichtete der Handel von ausgesprochener Kauflaune. Viele Geschäfte waren am Mittwoch voller als an normalen Wochentagen.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Trotz Warteschlangen in manchen Banken und Geschäften am ersten verkaufsoffenen Euro-Tag vollzog sich der Umtausch weitgehend reibungslos. "Die Situation in den meisten Ländern kann als normal bezeichnet werden", sagte EU-Finanzkommissar Pedro Solbes in Brüssel. In den meisten Euro-Ländern zeigte sich am Mittwoch, dass der Vorbereitungsstand für die Währungsumstellung besser ist als erwartet. Ein unerwartet hoher Prozentsatz der Geldautomaten war bereits am ersten Tag auf Euro umgestellt, und die Zahl der Barabhebungen war schon am ersten Euro-Tag europaweit doppelt so hoch wie zu normalen Zeiten. In vielen Großstädten mussten die Geldautomaten bereits mehrfach gefüllt werden. Erleichtert wurde der Zahlungsverkehr durch die schon vorab verkauften 150 Millionen Münzpäckchen, die so genannten Starter-Kits. Schon am ersten Tag der neuen Währung wurde der Euro bei 25 Prozent aller Käufe verwendet. Grafik: Umrechnungstabelle DM-Euro Offenbar traten bisher auch keine schwerwiegenden Sicherheitsprobleme auf. "Wir haben bisher keine Hinweise auf Fälschungen", berichtete EU-Finanzkommissar Pedro Solbes am Mittwoch. Die EU-Kommission wird sofort über alle Entwicklungen bei der Euro-Einführung über ein europäisches Informationsnetz unterrichtet, an das die nationalen Finanzministerien und Behörden, Banken und Sparkassen angeschlossen sind.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke erklärte in einer ersten Bilanz am Mittwoch, in zwei bis drei Wochen würden 90 Prozent bis 95 Prozent der Bundesbürger nur noch in Euro bezahlen. Die nächste Herausforderung sei nun der Rückfluss der D-Mark-Bestände. Zurzeit seien noch 140 Milliarden-Mark-Banknoten in Umlauf. Er erwarte, dass nach dem Euro-Bargeld-Start das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung auch in Nicht-Euro-Ländern wachsen werde. "Bis vor kurzem war auch in Deutschland das Vertrauen in die neue Währung nicht so groß. Da kann man sich eigentlich nicht darüber wundern, wenn Menschen außerhalb der europäischen Währungsunion nicht so viel Vertrauen haben". Das werde nun sicher besser, sagte Welteke.

Die Tatsache, dass nicht alle Mitgliedsstaaten der Währungsunion die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrages einhielten, habe aller Wahrscheinlichkeit nach keine negativen Auswirkungen auf den Wechselkurs: "Ich glaube nicht, dass dies einen wesentlichen Einfluss auf den Außenwert des Euros hat. Da sind eher die Erwartungen für das wirtschaftliche Wachstum in Europa maßgeblich.

Nachdem der Kurs des Euro in den vergangenen Tagen um 88 Cent pendelte, stieg die Notierung der Gemeinschaftswährung am Mittwoch deutlich über 90 Cent. Analysten erklärten das einhellig mit der weitgehend problemlosen Einführung von Euro-Scheinen und -Münzen in den zwölf Staaten des gemeinsamen Währungsraumes. Auch für die Zukunft sind die Experten zuversichtlich: Bis Jahresende sollten Euro und Dollar im Verhältnis eins zu eins stehen, erwarten die meisten. Die Erleichterung sei groß. "Die Menschen nehmen die neue Währung an", sagte der Leiter Volkswirtschaft der Hypo-Vereinsbank, Thomas Hueck. Damit sei ein wichtiger Risikofaktor für den Kurs der Gemeinschaftswährung entfallen.


"Wettbewerb um die beste Politik"

(brö) Das Geld in Europa ist nun zwar einheitlich, die Wirtschaftspolitik der Euro-Teilnehmerländer ist es aber noch längst nicht. Noch kocht jedes Land sein eigenes Süppchen, abgestimmt sind bislang nur zwei Bereiche: die Wettbewerbspolitik - über die EU-Kommission - und die Finanzpolitik - über den Stabilitäts- und Wachstumspakt, der den Euro-Ländern unter Androhung von Bußgeldern Verschuldungsziele vorschreibt. Diese Spar-Regeln müssen ausgebaut werden, fordert Ulrich Schröder, Europa-Experte von Deutsche Bank Research. "Die Vorgaben für die Haushalts- und Finanzpolitik müssten strenger sein, damit die Länder auch in wirtschaftlich guten Zeiten eisern sparen", findet er. Der Pakt für die Euro-Zone sei nur ein "Grobinstrument", nötig seien aber viel detaillierte Vorschriften und Sanktionen. Eine stärkere Konsolidierung der Finanzen würde auch den Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar stärken, glaubt Schröder.

Zu weit sollte die Vereinheitlichung der Politik aber nicht gehen, warnt der Ex-Wirtschaftsweise Rolf Peffekoven, Finanzwissenschaftler an der Universität Mainz. Die realwirtschaftlichen Bedingungen und Konjunkturzyklen in den Euro-Ländern seien noch zu verschieden, um sie durch einheitliche Gesetze zu regeln. "Außerdem muss es auch in Zukunft einen gesunden Wettbewerb um die beste Wirtschaftspolitik geben", fordert er. Bei einer Vereinheitlichung etwa der Steuerpolitik drohe die Einigung auf die schlechteste Politik aller Länder. "Schlimmstenfalls müsste es einen Finanzausgleich zwischen armen und reichen Ländern geben - das kann niemand wollen", findet Peffekoven.

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