Wirtschaft : Euro: Währungsumstellung setzt Schwarzgeld-Besitzer unter Druck

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Schwarzgeldsündern in Deutschland bieten sich trotz verstärkter Fahndungsmaßnahmen noch immer zahlreiche Lücken, um vor der Euro-Einführung Anfang 2002 ihr Bargeld "reinzuwaschen". Das haben Kriminalermittler und Steueranwälte dem Handelsblatt bestätigt. Insbesondere der Kauf teurer Ware gegen Barzahlung stehe bei Steuersündern wegen des geringen Risikos hoch im Kurs. "Hier haben wir so gut wie keine Kontrollmöglichkeiten", sagte Jürgen Kayser vom Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen. Kayser kennt zwar die beliebtesten Tricks der Schwarzgeldbesitzer, er hat aber keine Zugriffsmöglichkeiten. Erst vor kurzem seien auf einer Oldtimer-Messe erstaunlich viele Autos gekauft worden. Auch die Umsätze auf der Düsseldorfer Schiffsmesse "Boot" seien verdächtig gestiegen, betont der LKA-Mann. "Für die Überprüfung solcher Geldtransaktionen gibt es aber keine speziellen Aufsichtsorgane", betont Kayser.

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TED: Der Euro kommt: bricht das Chaos aus? Dass Barzahlungen im Inland zunehmen, dafür gibt es gute Gründe. So entfällt zum einen der risikoreiche Transport von Schwarzgeld ins Ausland. Denn der Weg über die Grenze hat für die Täter zwar den Vorteil, dass das Geld auf ausländischen Konten automatisch auf Euro umgestellt wird. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat jedoch erst kürzlich angekündigt, diesen Transportweg durch verschärfte Grenzkontrollen zu unterbinden. Beliebt sind Bargeldzahlungen aber vor allem deshalb, weil sie auch bei großen Summen kaum ans Tageslicht kommen. Völlig unproblematisch sei der Warenkauf von Privatpersonen, erläutert Steueranwalt Rainer Spatscheck. "Schmuck, Goldmünzen, Antiquitäten oder Teppiche. Wer als Privatmann Bargeld annimmt, hat ja keine Meldepflicht gegenüber den Finanzbehörden." Aber auch im Einzelhandel ließen sich große Geldbeträge relativ unproblematisch in den legalen Finanzkreislauf einspeisen, weiß Spatscheck. Zwar müssen nicht nur Kreditinstitute und Spielbanken, sondern auch Einzelhändler und Vermögensverwalter bei Einzahlungen von über 30 000 Mark die persönlichen Daten des Kunden notieren. Im Gegensatz zum Bankensektor, wo anschließend bei Geldwäsche-Verdacht eine Meldung an die Verfolgungsbehörde gemacht werden muss, bestehen für Gewerbetreibende aber nur Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten. Kämen die Finanzbehörden dem Schwarzgeld-Kunden hier nicht zufällig bei einer Betriebsprüfung auf die Spur, bliebe dieses Beweismaterial unentdeckt, betont Kayser. Und Spatscheck ergänzt: "Mir ist bisher kein einziger Fall bekannt, wo nach einer völlig normalen Betriebsprüfung anschließend wegen Geldwäsche ermittelt wurde."

Lücken im Fahndungsnetz bestehen auch beim Immobilienkauf. Nach Aussage von Ingo Flore vom Deutschen Anwaltvereins (DAV) ist es kein Problem, in Spanien ein Haus bar mit Schwarzgeld zu kaufen. "Es gab zwar mal Gerüchte, dass aus Spanien waschkörbeweise Kontrollmitteilungen nach Deutschland gehen. Das ist aber alles Unfug", so Flore. Wie hoch die Summe der im Umlauf befindlichen Schwarzgeldbestände ist, weiß im Übrigen niemand genau. Während in Bankenkreisen Schätzungen kursieren, dass bis zu 60 Prozent des privaten Bargelds von rund 150 Milliarden Mark unversteuert sind, hält Dieter Ondracek, Vorsitzender der Steuer-Gewerkschaft, diese Zahlen für zu hoch: "Nach unseren Schätzungen befinden sich etwa noch rund zwei Milliarden Mark in Deutschland", sagt er. Viele Steuersünder hätten bereits vorgesorgt und in den vergangenen Jahren Geld ins Ausland gebracht. "In Spanien ist sichtbar viel gekauft worden." Die Zahl der von Deutschen getätigten Immobilienkäufe auf den Balearen und dem spanischen Festland habe sich während der vergangenen beiden Jahre gegenüber 1998 nahezu verdreifacht.

Ganz risikolos sind solche Geschäfte aber nicht. So können "Geldwäscher" selbst Opfer von Betrügern werden. Der Druck, rechtzeitig die Barschaft loszuwerden, mache viele unvorsichtig, hießt es bei der Polizei. Das nutzten vor allem Banden, die "todsichere" Kapitalanlagen anböten und dann mit dem Bargeld verschwänden.

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