Wirtschaft : Euro wird für Mittelstand "schmerzhafte Erfahrung"

Laut Dresdner Bank ist Integration für viele Betriebe schwierig FRANKFURT (MAIN) ((ro)).Der Euro wirkt zwar auch für den Mittelstand wie ein "Katalysator".Allerdings wird die europäische Integration für einige mittelständische Branchen nach Ansicht der Volkswirte der Dresdner Bank "recht schmerzhaft" verlaufen.Das gelte etwa für das Transportgewerbe, das einer Liberalisierung ausgesetzt werde.Für Mitte 1998 ist die vollständige Freigabe der sogenannten Kabotage vorgesehen: damit können auch ausländische Unternehmen innerdeutsche Transporte übernehmen.Der Bausektor, wo mit den Mindestlöhnen des Entsendegesetzes der falsche, protektionistische Weg eingeschlagen worden sei, müsse ebenfalls mit Nachteilen rechnen.Deshalb seien Baukolonnen aus Osteuropa sowie aus Portugal und Großbritannien Alltag auf deutschen Baustellen.Auch der Einzelhandel müsse mit Problemen rechnen, weil es in Europa unterschiedliche Regelungen für die Preisauszeichnung, für Sonderangebote und Rabatte gebe.Mit den Ladenöffnungszeiten hinke Deutschland hinter den anderen EU-Staaten hinterher.Eindeutig profitieren von der Währungsunion werden nach Einschätzung der Dresdner Bank Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft."Der Euro beseitigt die Wettbewerbsnachteile, die sich für deutsche Landwirte in den letzten Jahren aus der anhaltenden Aufwärtstendenz des DM-Wechselkurses ergeben haben."Globalisierung und europäische Integration gefährden nach Auffassung des Kreditinstituts international orientierte Mittelständler.Mittelständische Automobilzulieferer hätten kaum das Kapital, um sich als Schlüssellieferant durchzusetzen und den Autoherstellern ins Ausland zu folgen.Mit dem Euro wachse in den Teilnehmerstaaten der Zwang zur Harmonisierung und zur Ausgabenbegrenzung.Damit würden auch Subventionen und Privilegien abgebaut."Darauf muß sich der Mittelstand einstellen." Allerdings könnten die negativen Effekte durch die Anpassung vom Staat abgefedert werden: Er müsse den Wettbewerb fördern und Regulierungen abbauen."Die beste Mittelstandspolitik ist eine Ordnungspolitik, die den Wettbewerb und damit auch das Wachstum fördert." Die Volkswirte der Dresdner Bank plädieren deshalb für die Senkung der Staatsquote, für eine umfassende Steuerreform, für die "Rückführung" der sozialen Sicherungssysteme auf eine Grundsicherung, für eine Reform der Flächentarifverträge und vor allem für mehr Transparenz bei den staatlichen Förderprogrammen für den Mittelstand.438 Fördermaßnahmen für Mittelständler von Bund, Ländern und der EU seien nicht mehr überschaubar.Allein für Unternehmensgründer gebe es in Deutschland über 200 Förderprogramme.Dadurch bestehe die Gefahr, daß die notwendige Prüfungen wegfielen, unnötige Förderprojekte weiterliefen und dringend nötige Hilfe unterbleibe.

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