Wirtschaft : Euro wird rasch zur Reservewährung

Private Banken wollen ab 1999 alle Dienstleistungen in der neuen Währung anbieten BONN (wei).Die privaten Banken wollen ihren Kunden schon vom nächsten Jahr an "alle erforderlichen Dienstleistungen in Euro anbieten".Dazu gehöre ein "Referenzzinssatz Euribor", der den bislang führenden Fibor ablösen soll, sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Martin Kohlhaussen, am Montag in Bonn nach der Mitgliederversammlung des Verbandes.Auf eine gemeinsame Grundlage hätten sich die European Banking Federation und die Vereinigung der Geld- und Devisenhändler bereits verständigt.Der Euribor sei für die Finanzmärkte in der Währungsunion von herausragender Bedeutung und werde sich auch gegenüber dem Euro-Libor durchsetzen.Die Kreditwirtschaft will den Euribor jetzt aktiv am Markt etablieren."Das stärkt auch den Finanzplatz," sagte Martin Kohlhaussen.Die Banken begrüßen auch Überlegungen zur Schaffung europäischer Ratingagenturen zur Bewertung von Finanzprodukten.Nachdrücklich sprechen sich die Banken gegen die Fortführung des Indexierungsverbotes aus.Danach dürfen Preise in D-Mark nicht an die Inflationsrate gekoppelt werden.Dieses Verbot sei "nicht mehr zeitgemäß", sagte der Präsident des Bankenverbandes.Indexierte Finanzprodukte seien ein "selbstverständlicher Bestandteil des modernen Bankgeschäfts".Es gebe auch keine Handhabe, um ausländischen Instituten den Vertrieb solcher Produkte in Deutschland zu verbieten.Kohlhaussen geht davon aus, daß sich der Euro rasch zu einer internationalen Reservewährung entwickelt.Insofern sei der Wunsch Griechenlands verständlich, sobald wie möglich ebenfalls Mitglied der Europäischen Währungsunion zu werden.Der Eintritt der Drachme in das Europäische Währungssystem sei insofern verständlich und "technisch richtig".Der Bankenpräsident bedauerte die Diskussion über die Besetzung der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB).Eine rasche Entscheidung wäre für den Euro und die EZB hilfreich.Er wollte sich aber nicht auf einen der beiden Kandidaten festlegen.Beide, der amtierende Präsident des EWI, Duesenberg und der Präsident der französischen Notenbank Trichet, seien "ausgewiesene Fachleute".Von einer neuen Bundesregierung erwarten die Banken, daß eine Steuerreform "ganz oben auf der Agenda" steht.Die Sätze der Einkommen- und Körperschaftssteuer müßten deutlich gesenkt werden.Subventionen und Steuervergünstigungen müßten dabei sicherlich gesenkt werden, die Reform dürfe aber nicht "unter dem Diktat der kurzfristigen Aufkommensneutralität" stehen.Positive Auswirkungen würden von einer Steuerreform nicht ausgehen, wenn die Wirtschaft durch die Kompensationsmaßnahmen zunächst höher belastet würden.Die überhöhte Abgabenbelastung und die Verschwendung von Steuergeldern sind nach Ansicht des Bankenverbandes die Ursachen für die zunehmende Steuerhinterziehung.In diesem Zusammenhang empfehlen die Banken auch eine Neuordnung der Besteuerung von Kapitalerträgen.Eine Nachversteuerung bislang unversteuerter Kapitalerträge sei dabei angemessen, sollte aber begrenzt werden, um den Bürgern den Weg zurück in die Steuerehrlichkeit zu ebnen.Im übrigen sprechen sich die Banken für eine Abgeltungssteuer aus, die nicht mehr auf die Einkommenssteuer angerechnet werden könnte.In ihrer Auseinandersetzung mit den Landesbanken und Sparkassen wollen die Privatbanken nicht zurückstecken.Die notwendige Neustrukturierung der Kreditwirtschaft dürfe nicht mit Wettbewerbsverzerrungen einhergehen.Kohlhaussen teilte mit, daß sich der Verband in diesem Zusammenhang mit einer eigenen Stellungnahme an Wettbewerbskommissar van Miert gewandt hat.Die Kommission ist vom Europäischen Rat in Amsterdam beauftragt worden, die Wettbewerbsverhältnisse zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Kreditinstituten zu untersuchen.

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