Wirtschaft : Euro-Zentralbank stellt Geldpolitik vor

Festlegung eines Geldmengen- oder Inflationsziels Frankfurt (Main)/Bonn (AP/dpa/rtr).Preisstabilität soll nach dem am Freitag in Frankfurt veröffentlichten Konzept des Europäischen Währungsinstituts oberstes Ziel der von 1999 an für den Euro verantwortlichen Europäischen Zentralbank (EZB) sein.Sie soll Instrumente und Strategien anwenden, die sich bereits bei der Deutschen Bundesbank bewährt haben.Bundesfinanzminister Theo Waigel begrüßte das Konzept als frühzeitigen Orientierungsrahmen, auch wenn noch nicht alle Details der künftigen Geldpolitik festgelegt seien. Das Europäische Währungsinstitut (EWI) empfiehlt zwei Strategien für die Stabilität des Euro, der von 1999 an eingeführt werden und Mitte 2002 endgültig die nationalen Zahlungsmittel in den Ländern der Währungsunion - und damit auch die D-Mark - ersetzen soll: die Festlegung eines Geldmengenziels, also die Begrenzung des Volumens von Bargeld und Spareinlagen, sowie die Festlegung auf ein direktes Inflationsziel, damit der Euro eine stabile und international angesehene Währung wird.EWI-Präsident Alexandre Lamfalussy betonte, man habe sich noch nicht definitiv für das Geldmengen- oder das Inflationsziel entschieden.Einig sei man sich aber, daß die Europäische Zentralbank die Geldmenge genau werde überwachen müssen.Von fünf möglichen Strategien verwarf das EWI die Vorgabe eines Wechselkurs-, eines Zins- oder eines Einkommenszieles.EWI-Chef Lamfalussy sprach von einem "eigenen Modell".Allerdings seien die derzeit praktizierten Notenbank-Konzepte schon sehr ähnlich. Die Instrumente, die zur Erreichung des Geldmengen- und Inflationsziels eingesetzt werden sollen, ähneln ebenfalls denen der Bundesbank.Über sogenannte Offenmarktgeschäfte mit den gewerblichen Banken und Sparkassen sowie über ein Mindestreservesystem soll die EZB Einfluß auf die Liquidität der Finanzmärkte nehmen.Je nach Stand der Inflation kann sie mit diesen Transaktionen Geld vom Markt nehmen oder hineinpumpen.Den Diskont, einer der wichtigsten Leitzinsen in deutschland, wird es in der EWU nicht mehr geben, der Lombard als oberster Leitzins bleibt erhalten. Sowohl der Deutsche Sparkassen- und Giroverband als auch der Bundesverband der deutschen Banken begrüßten in Stellungnahmen die Vorschläge des EWI weitgehend.Der Sparkassenverband vermißt allerdings die Möglichkeit des Wechselrediskonts, der sich bewährt habe zur realwirtschaftlichen Anbindung der Geldpolitik sowie für die Planbarkeit und den direkten Zugang auch kleinerer Kreditinstitute zu Zentralbankgeld.Die Privatbanken bedauerten, daß es weiterhin Mindestreserven geben solle.Sie seien als geldpolitisches Steuerungsinstrument überflüssig. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Michel Camdessus, schlug am Freitag vor, für die Eurowährung ein "Regelwerk" über den Stabilitätspakt hinaus zu schaffen.Damit solle neben fiskalischer Transparenz sichergestellt werden, "daß die gleichen Methoden im öffentlichen Sektor aller Länder der EU zu Anwendung gelangen", sagte er bei der Klausur der Bonner CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth.

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