Wirtschaft : Eurocheque steht vor dem Aus

FRANKFURT (MAIN) . Der Siegeszug des Plastikgeldes bringt in zweieinhalb Jahren das faktische Ende für den traditionellen Eurocheque. Zwar soll der blaue Papierscheck weiterhin als Zahlungsmittel existieren. Aber die Garantie, daß Banken Eurocheques auf jeden Fall bis zu einer bestimmten Summe einlösen, soll nur noch bis Ende 2001 gelten. Dies teilte die europaweite Zahlungsverkehrsorganisation Europay International am Dienstag in Frankfurt (Main) mit. Oliver Wolfrum vom Bundesverband Deutscher Banken erklärte in diesem Zusammenhang am Dienstag in Berlin, die Eurocheque-Vordrucke könnten aber weiterhin als Schecks benutzt werden. Auch glaube er nicht an einen völligen Wegfall des Schecks als Zahlungsmittel.

Wegen der vergleichsweise teuren Bearbeitung der Vordrucke verweigern schon heute Banken in Schweden und Norwegen die Annahme von Eurocheques. Die Einlösung in den Niederlanden, Spanien und Italien ist nach Erfahrungen der Dresdner Bank ebenfalls nicht immer möglich. "Durch den Beschluß, die Garantie Ende 2001 aufzuheben, konnte im Kundeninteresse verhindert werden, daß weitere Länder diesem Beispiel kurzfristig folgen", rechtfertigt Europay die Entscheidung.

Der Rückgang sei vor allem auf die starke Präferenz der Verbraucher für elektronische Zahlungsmöglichkeiten etwa mit der Scheckkarte zurückzuführen, teilte Europay weiter mit. Das Interesse der Verbraucher an Zahlungen per Eurocheque sei schon seit Jahren stark rückläufig. Mit der wachsenden Zahl von Geldautomaten und elektronischen Zahlungssystemen an den Ladenkassen wird im In- und Ausland mittlerweile überwiegend die Karte gezückt. Nach Europay-Angaben gab es 1989 noch 42 Mill. grenzüberschreitende Zahlungen per Eurocheque, im vergangenen Jahr war es nur noch ein Drittel. Dagegen ist die Zahl der Auslands-Abhebungen per Geldautomat im gleichen Zeitraum von gut einer Million auf 60 Mill. Transaktionen gestiegen. Ähnliche Entwicklungen hätten die nationalen Umsätze in den Eurocheque-Ländern gezeigt, berichtet die in Waterloo bei Brüssel ansässige Europay.

Der Übergang vom Papierscheck zur Plastikkarte wird in Deutschland mit "electronic cash" und weltweit mit dem "Maestro"-System realisiert. Derzeit stehen dafür weltweit mehr als 3,8 Mill. elektronische Kassen und 462 000 Geldautomaten zur Verfügung. Bis zum Jahr 2002 soll dieses Netz noch deutlich ausgebaut werden.

Mit der Abschaffung der Garantiesumme - in Deutschland 400 DM pro Scheck - reagiert die Kreditwirtschaft auf "betriebswirtschaftlich nicht mehr zu vertretende Kosten" bei der Abwicklung von Scheckzahlungen. Auch Handel und Dienstleistung profitierten von Zahlungen per Plastikgeld, heißt es in der Europay-Mitteilung. So werde das Sicherheitsrisiko hoher Bargeld- und Scheckbestände verringert.

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