Wirtschaft : Euroflieger im Dollarraum

Airbus investiert 600 Millionen Dollar in sein erstes US-Werk und greift Boeing auf dem Heimatmarkt an.

von und Jens Koenen
Ab 2016 sollen die ersten Passagiermaschinen vom Typ A320 die Endfertigung in den USA verlassen. Foto: Reuters
Ab 2016 sollen die ersten Passagiermaschinen vom Typ A320 die Endfertigung in den USA verlassen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin/Frankfurt am Main - Der europäische Flugzeughersteller Airbus unternimmt den nächsten Versuch, in den Heimatmarkt seines Konkurrenten Boeing vorzudringen – und zwar mit einem eigenen Endmontagewerk. Ab 2016 sollen die ersten Passagiermaschinen der A320-Familie die Endfertigung in den USA verlassen, teilte Airbus am frühen Montagabend deutscher Zeit mit. Fabrice Brégier, der neue Chef von Airbus, verkündete die Nachricht vor Ort am geplanten Standort in der Stadt Mobile im südlichen US-Bundesstaat Alabama.

Schon seit Tagen wird über das erste Airbus-Werk in den USA spekuliert. Airbus, die größte Tochter im europäischen Luftfahrtkonsortium EADS, will damit nicht nur die Währungsrisiken bei der Tochter Airbus reduzieren – Flugzeuge werden weltweit in Dollar bezahlt, eine Fertigung im Dollar-Raum eliminiert Währungseffekte zu einem großen Teil. Airbus will auch dem Konkurrenten Boeing und seinen US-Kunden näherrücken.

Die Europäer kommen in den USA, einem der größten Luftfahrtmärkte weltweit, derzeit auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Da die meisten US-Airlines wegen der heftigen Krise nach den Terroranschlägen 2001 auf Sparkurs sind, fliegen sie mit überalterten Flotten, die in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Für Airbus und seinen Erfolgsschlager A320 ist dies eine ideale Gelegenheit, um dem Rivalen Marktanteile abzujagen. Brégier sagte, in den USA brauchten die Airlines in den kommenden 20 Jahren rund 4600 Flugzeuge der mittleren Größenklasse.

Airbus wird in das neue Werk, das ab kommendem Jahr entstehen soll, rund 600 Millionen Dollar investieren. In der Endfertigung sollen drei Jahre später dann rund 1000 Mitarbeiter bis zu vier Maschinen pro Monat zusammenbauen. Airbus baut den A320 bislang vor allem im französischen Toulouse und in Hamburg-Finkenwerder. Hinzu kommt seit 2008 eine eine Fertigung im chinesischen Tianjin. Dem Werk sagt man nach, es arbeite nicht wirtschaftlich, sei aber der Beziehungspflege in China dienlich.

In jedem Fall schafft es Airbus kaum, die Nachfrage zu bedienen. Seitdem sich Airbus entschlossen hat, den A320 mit sparsamen Triebwerken weiterzubauen statt ein neues Modell zu entwickeln, ist die Bestellliste noch länger geworden. Ende Mai hatten die Europäer 3293 Bestellungen für Flugzeuge des Typs A320 in den Büchern. Airbus will deshalb die Fertigung von derzeit 40 Maschinen pro Monat auf 44 hochfahren.

Bei der IG Metall in Hamburg sieht man Expansionspläne mit gemischten Gefühlen. „Wir unterstützen die internationale Arbeitsteilung und den Aufbau internationaler Partnerschaften bei der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung“, sagte Daniel Friedrich von der IG Metall Küste dem Tagesspiegel. Die Globalisierungsstrategien müssen aber mit langfristigen Beschäftigungsentwicklungs- und Standortstrategien in Deutschland und Europa verbunden werden. „Wir werden daher die vorliegenden Pläne und die Auswirkungen auf die bestehenden europäischen Strukturen überprüfen.“ Es gelte nun, Fragen zu beantworten: Wie wird die Arbeit verteilt? Wo entstehen welche Arbeitsplätze? „Airbus ist und bleibt ein europäischer Konzern – dies darf nicht gefährdet werden“, sagte der Gewerkschaftssekretär Friedrich. mit HB

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