Eurokrise : Ackermann warnt vor Griechenland-Insolvenz

Die Münchener Sicherheitskonferenz diskutiert die Finanzkrise.

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Von Optimist zu Pessimist. Während der italienische Übergangspräsident Mario Monti sein Land aus dem besten Weg aus der Krise sieht, warnt Noch-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor einem Auseinanderbrechen der Europäischen Union.
Von Optimist zu Pessimist. Während der italienische Übergangspräsident Mario Monti sein Land aus dem besten Weg aus der Krise...Foto: dapd

München - Ausgerechnet Mario Monti ist der Optimistischste von allen. Der italienische Premierminister, der mit seiner überparteilichen Regierung die riesige Aufgabe hat, das angeschlagene Land aus dem Schuldensumpf zu ziehen, sagt auf der Münchner Sicherheitskonferenz: „Wir haben es fast geschafft, eine Lösung in der Euro-Krise zu finden.“ Es werde gelingen, den Menschen „eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen“. Das italienische Experiment, wie er es nennt, preist er fast schon als Vorbild an für den Euro und Europa im Schuldendebakel.

Ansonsten aber herrscht bei der Podiumsdiskussion zur Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Sicherheit ziemlich viel Weltuntergangsstimmung. Noch-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt eindringlich vor einer Insolvenz Griechenlands und einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Dies würde zu enormen Kollateralschäden führen, wie er es bezeichnet. „Es geht nicht nur um Griechenland, sondern um Europa.“ Es drohten „Verarmung, kein Wachstum, keine gemeinsame europäische Stimme“.

Auch der US-amerikanische Investor George Soros zeigt sich sehr besorgt über die Euro-Krise, die die EU zerstören könne. Jetzt würden die Mängel der Gemeinschaftswährung hervortreten: „Die Exzesse im Privatsektor wurden nicht berücksichtigt. Wir haben einen Markt, der nicht nach einem Gleichgewicht strebt.“ Soros fordert die Ankurbelung der Konjunktur, um zu mehr Wachstum zu kommen. Ansonsten würden die von Deutschland verlangten Sparmaßnahmen Europa in ein „verlorenes Jahrzehnt“ führen.

Hochrangige Charakterköpfe reden in München über die Krise – zu einem gemeinsamen Fazit jedoch gelangen sie nicht. Eine weitere, noch unbekannte „Eskalation der Krise“ befürchtet gar Peer Steinbrück, Ex-Finanzminister und potenzieller SPD-Kanzlerkandidat. Es fehle das Vertrauen, und zwar überall – bei den Banken, den Institutionen, den Bürgern. Europa sieht er „am Scheidepunkt“ und fragt, ob damit auch die Demokratie zerfallen könnte. Düstere Gedanken.

Ackermann immerhin verlangt, „jetzt eine Diskussion über Demokratie zu führen“. Die Idee, Haushaltsentwürfe der Staaten erst einmal an die EU zu schicken und danach in die nationalen Parlamente einzubringen, hält er zumindest für interessant. Dafür aber müssten Verfassungen geändert und Souveränitäten an die EU abtreten abgetreten werden. Dass dies vor allem die deutsche Bevölkerung mehrheitlich nicht will, weiß man auf dem Podium.

In Griechenland dauern die Gespräche über einen Schuldenschnitt und weitere Milliardenhilfen an. Finanzminister Evangelos Venizelos verhandelte auch am Samstagnachmittag mit Vertretern der EU, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank. Anschließend wollte er Ministerpräsident Lucas Papademos informieren. Es sei „die Stunde der Entscheidungen“ für das hochverschuldete Euro-Land, sagte Venizelos. Alles sei „auf Messers Schneide“, hieß es. Patrick Guyton

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