Euronext-Übernahme : Aktionäre billigen Fusion mit NYSE

Die Aktionäre der Mehrländerbörse Euronext haben die Fusion mit der New York Stock Exchange mit großer Mehrheit gebilligt. Damit müssen nur noch die Anteilseigner der New York Stock Exchange der Fusion zustimmen.

Amsterdam - Die Aktionäre der Mehrländerbörse Euronext haben durch die Billigung der Fusion mit der New York Stock Exchange (NYSE) den Weg für die Gründung der größten transkontinentalen Börse der Welt freigemacht. Bei der außerordentlichen Euronext-Hauptversammlung in Amsterdam stimmten 98,2 Prozent der anwesenden oder vertretenen Aktionäre für den Zusammenschluss im Wert von 22,3 Milliarden Euro. Euronext-Chef Jean-François Théodore wies vor der Abstimmung nochmals Kritik zurück, die Fusion komme einer Übernahme der europäischen Börse durch den US-Finanzplatz gleich. Am Mittwoch sollen die Anteilseigner der New Yorker Börse das Projekt billigen. Die Deutsche Börse hatte sich vergeblich um eine Fusion mit Euronext bemüht.

Zu Euronext gehören die Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Londoner Terminbörse Liffe. Das Umtauschangebot an die Euronext-Aktionäre soll Anfang 2007 starten und die Fusion dann noch im ersten Quartal abgeschlossen werden. Es sieht eine Bezahlung in Aktien und in bar vor. Dabei wird Euronext mit rund 10,5 Milliarden Euro bewertet. An den Handelsplätzen des neuen Unternehmens NYSE-Euronext sind Werte in Höhe von 21 Billionen Euro notiert.

Bis zuletzt hatten einige Euronext-Aktionäre sich gegen das Vorhaben gesträubt, darunter die französische Bank BNP Paribas und das französisch-belgische Institut Dexia. Dabei wurde die Befürchtung geäußert, dass die US-Börse der dominante Partner in dem Zusammenschluss sein werde und US-Börsenregeln de facto auf Europa übertragen werden könnten. Théodore verteidigte in Amsterdam, wo 65 Prozent des Kapitals vertreten waren, nun nochmals den "ausgelichenen" Charakter des Zusammenschlusses. Er gibt den NYSE-Aktionären zwar 60 Prozent an dem neuen Unternehmen, außerdem sind Führung und Sitz auf US-Seite angesiedelt. Doch nach Nachverhandlungen im Verwaltungsrat ist nun eine gleichstarke Vertretung beider Seiten vorgesehen.

Nasdaq-Angebot für LSE "vollkommen unzureichend"

Die Fusion wird damit voraussichtlich die erste große, die nach zahlreichen gescheiterten Anläufen zwischen großen Handelsplätzen vollzogen wird. Die wichtigste Konkurrentin der NYSE, die elektronische US-Börse Nasdaq, versucht zurzeit eine feindliche Übernahme der Londoner Börse. Diese wies die Offerte im Wert von 4,3 Milliarden Euro erneut als "vollkommen unangemessen" zurück. Die Londoner waren in den vergangenen Jahren schon mehrfach Objekt der Begierde gewesen: Zwei Mal scheiterte die Deutsche Börse mit einem Übernahmeversuch, auch Euronext bekam einen Korb. Nach dem Rückschlag bei Euronext hatte die Deutsche Börse im November auch Gespräche mit der Mailänder Börse ergebnislos abgebrochen. (tso/AFP)

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