Euronext-Übernahme : Deutsche Börse zieht Angebot zurück

Die Deutsche Börse hat ihr Angebot für die Vierländerbörse Euronext zurückgezogen. Das Management des Frankfurter Finanzplatzes verfolge den Zusammenschluss nicht mehr.

Frankfurt/Main - Ein Zusammengehen sei in der gegenwärtigen Situation nicht erreichbar, teilte die Betreiberin des Frankfurter Börsenplatzes mit. Euronext habe die Gespräche über eine Fusion mit der Deutschen Börse nicht wieder aufgenommen, obwohl Politiker, Anteilseigner und Aufsichtsbehörden in Europa sich dafür ausgesprochen hätten.

Euronext favorisiert derzeit ein Zusammengehen mit der New York Stock Exchange (NYSE). Die Vierländerbörse betreibt die Handelsplätze in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Die Allianz mit der New Yorker Börse ist in den vier Euronext-Ländern umstritten: Kritiker fürchten, dass dadurch das langfristige Ziel eines einheitlichen europäischen Finanzmarkts gefährdet werden könnte.

"Zusammenschlüsse in unserer Branche können nur dann erfolgreich sein, wenn sie sowohl vom Management beider Seiten als auch von der Industrie unterstützt werden", sagte Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni. Der Aktienkurs der Deutschen Börse war gestern im Vorfeld bereits um zwei Prozent abgerutscht. Damit führte sie die Verliererliste des Dax an.

Trotz Druck keine Bewegung bei Euronext

Der geplanten Fusion waren daher ohnehin nur noch geringe Chancen eingeräumt worden. Trotz dem Druck aus Reihen der französischen Politik und der Finanzplatzlobby Europlace lies sich der Vorstandsvorsitzende der Euronext, Jean-François Théodore, nicht zu einer Fusion bewegen. Der Vorsprung des Angebots der Deutschen Börse ist durch gestiegenen Aktienkurs der New York Stock Exchange mittlerweile geschmolzen. Die Angebote der beiden Börsen sind direkt mit deren Aktienkurse verknüpft.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, forderte eine europäische Lösung für die Deutsche Börse. "Es scheint mir so zu sein, dass wir in Europa eher bereit sind, amerikanische Partner zu akzeptieren anstatt mit allen Kräften nach einer europäischen Lösung zu suchen", sagte Ackermann im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Es sei für jedes Land schwierig, Zugeständnisse zu machen, weil es die Entscheidungsgremien behalten wolle. "Aber ich finde den Trend zugunsten der Nationalinteressen längerfristig für Europa gefährlich. Wir sollten alles tun, um eine europäische Lösung anzudenken", sagte Ackermann. "Wenn das später auch zu globalen Lösungsansätzen führt, ist es gut. Aber der erste Schritt sollte europäisch sein." (tso/AFP)

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