Wirtschaft : Europa steht unter Zugzwang

Druck in Frankreich am größten FRANKFURT (MAIN) (rtr).Die europäischen Banken geraten durch die Großfusionen im US-Finanzsektor nach Einschätzung von Branchenexperten unter Zugzwang.Am schnellsten dürfte der Konzentrationsprozeß in Frankreich voranschreiten, wo derzeit die Privatisierung von Staatsbanken ansteht.Wenn der Euro da sei, werde auch Europa von einer Fusionswelle im Finanzbereich erfaßt, sagt Christine Winkler, Analystin bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank. "Ich sehe, daß die Entwicklung in den USA vor allem die Deutsche Bank unter Handlungszwang setzt", sagt Winkler.Der deutsche Branchenprimus habe erklärt, seine Strategie sei zunächst eine Stärkung seiner Position in Europa, bevor er an globale Schritte denke.Die Deutsche Bank werde somit eher früher als später einen entsprechenden Schritt in Europa machen, auch wenn dies nicht unbedingt ein "großer Deal" sein müsse, sagt Winkler.Die Commerzbank, die in vielen Bereichen auf Deutschland beschränkt sei, werde dagegen einen Partner brauchen. Deutsche Bank-Sprecher Walter Schumacher hatte bereits vergangene Woche nach Bekanntgabe der Fusion der Travelers Group mit Citicorp erklärt, sein Geldinstitut sei groß genug, um weiter in der Weltliga mitspielen zu können.Allerdings räumte er ein, daß das weltweite Geschäft der Citibank durchaus beachtenswert sei, besonders im Privatkundengeschäft in Deutschland.Umgekehrt würden sich für die Deutsche Bank in den USA keine entsprechenden Möglichkeiten bieten.Die Deutsche Bank wolle sich dort weiter auf das Investment Banking (Handel mit Wertpapieren und Unternehmensbeteiligungen) konzentrieren. Bekannt sind Übernahmepläne der Deutschen Bank in Frankreich.Ihr Interesse an einer Beteiligung am Credit Lyonnais im Rahmen der Privatisierung traf in Frankreich auf wenig Gegenliebe.Als französische Fusionskandidaten im Gespräch sind auch Banque Nationale de Paris (BNP) und Credit Commercial de France (CCF). Die Dresdner Bank schmiedet seit langem Pläne für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Allianz in der Vermögensberatung, hat aber nach eigenem Bekunden die Kraft, ihren Weg allein weiterzugehen.Falls beide Gesellschaften eine gemeinsame Vermögensverwaltung gründen würden, hätte diese eine Bilanzsumme von über 700 Mrd.DM.

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